Nachrichten Mai 2007



SPORT: Krawalle bei Fußballspiel Jong Oranje-Jong Marokko: Ein politisches Statement?

Amsterdam. AB/VK. 24. Mai 2007.

Nach den Ausschreitungen bei dem Fußballspiel Jong Oranje gegen Jong Marokko in Tilburg vergangenen Dienstag wird in den Niederlanden über die Hintergründe und Konsequenzen diskutiert. Der niederländische Fußballverband KNVB beschloss gestern, fünf Jahre lang keine Spiele mehr gegen eine Nationalmannschaft Marokkos zu organisieren. Diese verordnete Zeit des Abkühlens sieht der Direktor der Abteilung Berufsfußball des KNVB als gerechtfertigt und nicht diskriminierend an. Marokkanische Fans hätten sich nun fünf oder sechs Mal bei solchen Gelegenheiten schlecht benommen. Derweil suchen andere nach Gründen für die Krawalle. Mohammed Allach, technischer Direktor des Fußballclubs VVV aus Venlo und Vorsitzender der Stiftung Maroqui Stars, die sich für marokkanische Jugendliche in den Niederlanden einsetzt, meint, dass die Ausschreitungen als sozialer Protest zu verstehen sind. Es sei ein „politisches Statement, eine kollektive Äußerung von Unzufriedenheit“ gewesen. Er ist nicht übermäßig erstaunt, dass eine Gruppe, die sich an den Rand der Gesellschaft gedrängt fühlt, ihrem Unmut auf diese Weise Ausdruck verleihe. Zu dem Spiel im Fußballstadion Willem II in Tilburg waren hauptsächlich marrokanischstämmige Fans gekommen. Schon während des Aufwärmens waren einige von ihnen auf den Rasen gelaufen. Nach dem Spiel taten es ihnen Hunderte gleich, warfen mit Stühlen und zerschlugen die Tore und Reklametafeln. Auch Jan Jansen, Direktor des W.H.J. Mulier-Institut, das Untersuchungen zu Menschen mit Migrationshintergrund  im Sport durchführt, ist der Ansicht, dass dem Exzess gesellschaftliche Probleme der marokkanischen Jugendlichen zugrunde liegen. Das Stadion sei nur zufällig der Ort des Ausbruchs gewesen. Weil marrokanische Jugendliche immer auf ihre Wurzeln angesprochen würden, beschäftigten sie sich selbst sehr viel damit. Es sei daher nicht verwunderlich, dass sie sich mit den marokkanischen Teams identifizierten. Die Jugendlichen selbst finden die Aufregung übertrieben. Die Begegnung sei aus dem Ruder gelaufen, aber das sei nicht so ernst zu nehmen. Als Gründe nannten einige von der Volkskrant befragte marokkanische Jugendliche aus Amsterdam „Aufmerksamkeitshascherei“, „Gruppenverhalten“ und  „Angeberei vor Freunden“. Als politisches Statement verstehen sie die Krawalle nicht.