Nachrichten Mai 2007



MEDIZIN: Zahl der Sterbehilfefälle sinkt

Den Haag. MG/VK/NRC. 11. Mai 2007.

Nicht nur im Ausland wird das Thema Sterbehilfe kontrovers diskutiert, auch die Niederländer selbst sind bei dieser Problematik bei weitem nicht einer Meinung. Eine gestern veröffentlichte Studie belegt nun, dass die Zahl der Fälle, in denen Ärzte schwerkranken Patienten ihren Weg in den Tod erleichtert haben, in den letzten Jahren gesunken ist. Alle fünf Jahre wird die Wirkung des Sterbehilfe-Gesetzes in den Niederlanden überprüft und damit in den Mittelpunkt gesellschaftlicher Debatten gerückt. Diskutiert wird die Regelung aber ohnehin immer wieder, besonders im neuen Kabinett, in dem mit der ChristenUnie seit kurzem ein entschiedener Gegner des menschlichen Eingreifens in den Sterbeprozess sitzt. In der Studie wird die Ursache für den Rückgang der Sterbehilfefälle von 2,6 Prozent aller Sterbefälle im Jahr 2000 auf 1,7 Prozent im Jahr 2005 (in konkreten Zahlen ausgedrückt bedeutet dies einen Rückgang von 3.500 auf 2.325) unter anderem in einem neuen Trend gesehen: so entscheiden sich Ärzte häufiger für eine terminale Sedierung. Dies bedeutet, dass Patienten mithilfe von starken Beruhigungsmitteln in einr Art bewusstseinsbenebelnden Zustand versetzt werden, um Schmerzen und Angst zu lindern. Die Staatssekretärin für den Bereich Gesundheit, Jet Bussemaker von der sozialdemokratischen PvdA, betonte in ihrer Reaktion auf die Untersuchung, dass diese Vorgehensweise nicht als Alternative zur aktiven Sterbehilfe vorgeschrieben werden dürfe. Mediziner entscheiden sich für die terminale Sedierung aus moralischen Gründen, so die Studie, da sie in diesen Fällen nicht direkt zum Tod verhelfen und darüber hinaus ihr Vorgehen nicht melden müssen. Umstritten ist aber auch die terminale Sedierung, weil noch nicht ausreichend untersucht wurde, was die Patienten in diesem Zustand empfinden. Der Anteil der gemeldeten Fälle von aktiver Sterbehilfe – dies eine weitere Erkenntnis der Untersuchung – nimmt hingegen zu. Experten erklären dies mit der zunehmenden Rechtssicherheit: Ärzte brauchen keine Untersuchung der Staatsanwaltschaft mehr zu befürchten, wenn die unabhängigen Kommissionen befinden, dass sie korrekt vorgegangen sind.