Nachrichten März 2007



FINANZEN: Niederländische Rentenversicherungsanstalten investieren in Waffenindustrie

Hilversum. MG/VK/NRC. 19. März 2007.

Niederländische Rentenversicherungsanstalten investieren ihr Geld in die amerikanische Waffenindustrie. Das wurde am gestrigen Sonntag in der Fernsehsendung Zembla bekannt. Kontrovers diskutiert wird diese Tatsache nun in den niederländischen Medien, weil einige der Firmen, in die das Geld geflossen ist, auch Streubomben und ähnlich umstrittene Waffen produzieren. Unter anderem haben sich die drei großen Rentenversicherungsanstalten ABP (Rentenversicherungsanstalt für Beamte), PGGM (Rentenversicherungsanstalt für den Gesundheitssektor) und Spoorwegpensioenfonds (Rentenversicherungsanstalt für Mitarbeiter der niederländischen Bahn) an diesen Geschäften beteiligt. Der Direktor für den Bereich Investitionen von ABP, Roderick Munsters, verurteilte zwar selbst Streubomben und Landminen, sagte jedoch, dass sein Unternehmen keine Richtlinien habe, welche die Investition in solche Waffengeschäfte verbiete. „Unsere Strategie ist es, eine  gute Rendite zu erzielen und Unternehmen, die in der Waffenindustrie operieren, bieten manchmal eine gute Rendite“, so Munsters. Die umstrittenen Investitionen bezogen sich aber laut Zembla nicht nur auf die Waffenindustrie. Auch in Unternehmen, die es mit Umweltschutz und Kinderarbeit nicht so genau nehmen, sollen die Versicherungsanstalten ihr Geld gesteckt haben. Zwei Abgeordnete der Zweiten Kammer, Staf Depla von der sozialdemokratischen PvdA und Krista van Velzen von der sozialistischen SP forderten am gestrigen Abend, dass alle Investitionsgeschäfte der  Versicherungsanstalten öffentlich gemacht werden sollten. „Wenn man Arbeitnehmer dazu verpflichtet, sich an einem solchen Fonds zu beteiligen, dann haben sie ein Recht darauf zu erfahren, wohin ihr Geld fließt“, sagte Depla in der Volkskrant. Er kündigte außerdem an, in der Zweiten Kammer Minister Donner in dem Fall zu befragen und einen runden Tisch mit Vertretern der Arbeitnehmer- und Arbeitgeberorganisationen sowie der Versicherungsanstalten zu organisieren, um gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Guiseppe van der Helm, Direktor der Vereniging van Beleggers voor Duurzame Ontwikkeling (Verein von Anlegern für nachhaltige Entwicklung, VBDO), bezeichnete die in der Sendung präsentierten Fakten, die zum Teil auf einer Untersuchung des VBDO basieren, als symptomatisch. Er sagte, dass die Versicherungsanstalten nur auf kurzfristige Gewinne aus seien und dadurch Maßnahmen zur Nachhaltigkeit in den Unternehmen verhinderten, an denen sie beteiligt sind.