Nachrichten März 2007



JUSTIZ: Mordfall Deventer wieder in den Medien

Amsterdam. MG/VK/EV. 16. März 2007.

Maurice de Hond, in den Niederlanden vor allem bekannt für seine politischen Umfragen, hat erneut eine Medienoffensive in einem Mordfall aus dem Jahr 1999 gestartet. Für den Mord an der Deventer Witwe  Jacqueline Wittenberg wurde Ernest Louwes nach Ansicht von de Hond zu Unrecht verurteilt. Bereits seit Jahren recherchiert der Journalist auf eigene Faust und wirft der Staatsanwaltschaft vor, falsche Beweise verwendet zu haben. De Hond hält Michaël de Jong für den wahren Täter und versucht, die Staatsanwaltschaft dazu zu bringen, den Fall neu aufzurollen. Am 25. April wird er für seine öffentlichen Anschuldigungen wegen übler Nachrede selbst vor Gericht stehen. Am kommenden Dienstag soll aber zunächst entschieden werden, ob der Fall tatsächlich neu aufgerollt wird. Dann nämlich wird der Staatsanwalt, der die Sache untersucht, dem Hoge Raad (höchstes Rechtsorgan der Niederlande) seine Schlussfolgerung vorlegen, auf Grund dessen dieser dann entscheiden wird. Gestern kündigte Maurice de Hond während einer Pressekonferenz an, dass er am heutigen Freitag in mehreren großen Tageszeitungen ganzseitige Anzeigen schalten werde, die Volksvertreter und Bürger dazu aufrufe, der Staatsanwaltschaft „auf die Finger zu schauen“. Er nannte es verständlich, dass die Politik sich nicht in den Fall einschalten könne, rief die Politiker jedoch dazu auf, die Entstehung eines „Staates innerhalb des Staates“ zu verhindern. Die Staatsanwaltschaft reagierte währenddessen gelassen auf die erneute Offensive. „De Hond kommt mit Informationen, die beim Hoge Raad nicht eingebracht wurden und offensichtlich nur dazu bestimmt sind, die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Wenn man die Aufmerksamkeit der Medien kaufen muss, sagt das vielleicht etwas über die Relevanz der Standpunkte aus.“, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in der Volkskrant. De Honds Engagement in dem Deventer Mordfall ist seinen eigenen Angaben zufolge aus seinem Interesse an gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen in den Niederlanden heraus entstanden. Er sieht sich selbst als Bewacher demokratischer Werte und erntet dafür auch sehr viel Kritik.