Nachrichten März 2007



SCHULEN: Zu ‚schwarze’ und zu ‚weiße’ Grundschulen/ Sprachtests für Kinder aus Problemvierteln

Rotterdam/Den Haag. AB/VK/NRC. 15. März 2007.

Aus einer Umfrage von Forum, dem Institut für multikulturelle Entwicklung, geht hervor, dass viele Grundschulen nicht die etnische Zusammensetzung des Viertels widerspiegeln, in dem sie angesiedelt sind. Die Hälfte der 31 größten niederländischen Städte gab an, dass immer mehr Grundschulen relativ gesehen zu ‚schwarz’ oder zu ‚weiß’ sind, dass die Etnien sich also nicht genügend mischen. Zu ‚weiß’ ist eine Schule Forum zufolge, wenn die Anzahl weißer Schüler durchschnittlich 10 Prozent höher liegt als die Anzahl weißer Bewohner des Viertels. Amsterdam weist danach 42 zu 'weiße' und 13 zu 'schwarze' Schulen auf, während von 192 Schulen in Rotterdam 60 zu 'weiß' und 36 zu 'schwarz' sind. Das Problem besteht jedoch ebenso in Städten wie Amersfoort und Dordrecht. Insgesamt sind der Westen der Niederlande und Noord-Brabant von diesem Ungleichgewicht am stärksten betroffen. Seit kurzem sind Gemeinden und Schulen dazu verpflichtet miteinander über Lösungen zu diskutieren, aber viele der befragten Gemeinden versprechen sich von diesen Gesprächen wenig. Sie halten es für unrealistisch, den Schulen vorzuschreiben, welche Schüler sie aufnehmen. Forum rät den Gemeinden dazu, die Eltern zu unterstützen, die selbst die Initiative ergreifen, gemischte Schulen zu schaffen. Weil Eltern die freie Schulwahl haben, sei ihre Stimme entscheidend in dieser Sache, so Forum. Die Vorstellung der Umfrageergebnisse nahm Staatssekretärin Sharon Dijksma (Bildung, Kultur und Wissenschaft, PvdA) zum Anlass zu erklären, dass ab 1. Januar 2009 ein verpflichtender Sprachtest für Kinder aus Problemvierteln eingeführt wird. Zeigt sich eine Sprachschwäche, müssen sie an vorschulischen Sprachkursen teilnehmen, sodass sie zu Schulbeginn zu ihren Altersgenossen aufgeschlossen haben. Zurzeit besuchen 35000 Kinder die Vorschule auf freiwilliger Basis. Damit wird fast die Hälfte aller Kinder mit Lernrückstand erreicht, sagt das Ministerium. Geht es nach Dijksma sollen zukünftig 75000 Kinder Zugang zu solchen Kursen haben. Die Staatssekretärin machte deutlich, dass man die Kinder nicht allein lassen dürfe mit ihrem Problem. Wer die Sprache nicht richtig beherrsche, werde immer Schwierigkeiten haben. Es gehe nicht darum, dass Eltern ihre Kinder nicht in die Vorschule schicken wollten, sondern dass das Angebot fehlte. Wie Dijksma ihre Pläne finanzieren will, weiß sie noch nicht.