Nachrichten Juni 2007



WIRTSCHAFT: Königin Beatrix eröffnet Betuweroute

Barendrecht. MG/VK/NRC. 18. Juni 2007.

Das niederländische Staatsoberhaupt, Königin Beatrix, hat am vergangenen Samstag bei einem Festakt in Barendrecht die Gütertransportstrecke Betuweroute eröffnet. Nach ihrem Startsignal fuhr ein erster Zug über die Gleise. Allerdings war nicht klar, wie weit der Festzug würde fahren können, da Aktivisten der Organisation GroenFront! („grüne Front“) an einigen Stellen die Gleise besetzt hielten. Sie brachten damit ihren Protest gegen das seit Jahren umstrittene Projekt zum Ausdruck. “Wir wollen mit dieser Besetzung deutlich machen, dass dieses megalomane Projekt keinen Festakt verdient hat”, sagte GroenFront!-Sprecher Jaap Krater in der Tageszeitung ‚De Volkskrant’, „es ist der Bevölkerung undemokratisch untergejubelt worden, die Kosten sind um ein Vielfaches höher als ursprünglich geplant und die Natur wurde von Rotterdam bis nach Zovenaar zerstört.“ Damit sprach er einige wunde Punkte an, die seit Beginn der Planungen für das Großprojekt Betuweroute Ende der Achtziger Jahre immer wieder zu Diskussionen geführt hatten.

Eine Untersuchungskommission unter Leitung des PvdA-Abgeordneten Adri Duivesteijn kam vor drei Jahren zu einem vernichtenden Urteil. So seien im Vorhinein keine ausreichenden Analysen zu Zweck und Nutzen der Bahnlinie aufgestellt, Kritiker seien von den Regierenden bewusst auf Abstand gehalten und Zweifel innerhalb der Bevölkerung seien schlicht ignoriert  worden. Trotz aller Kritik dieser Art gibt es durchaus Befürworter des Projektes, gerade im Bereich der Wirtschaft. Seit dem Wochenende hat der Rotterdamer Hafen eine direkte, nur für den Güterverkehr bestimmte Gleisanbindung an das deutsche und damit das europäische Hinterland. Von der 160 Kilometer langen Betuweroute erhoffen sich die Planer eine Entlastung der Autobahnen 1 und 15. Dazu muss die Auslastung der neuen Schienen aber zunächst langsam realisiert werden. Am heutigen Montag fährt ein erster kommerziell genutzter Zug über die Gleise. Bis Ende des Jahres sollen wöchentlich 50 Züge fahren, 2008 sollen es dann 50 Züge täglich sein und in fünf Jahren soll diese Zahl auf 150 ansteigen. Vom großen Nachbarn Deutschland wird nun erwartet, dass er seine Versprechungen wahrmacht und ebenfalls in das Schienennetz investiert, um den vollen Nutzen aus der neuen Verbindung ziehen zu können. Ob die Betuweroute noch ein Erfolg werden kann oder sich endgültig als gigantische Fehlplanung entpuppt, werden die kommenden Jahre zeigen müssen.