Nachrichten Juni 2007



JUSTIZ: Niederländischer Staat für Völkermord in Srebrenica angeklagt

Den Haag. MG/VK/NRC. 6. Juni 2007.

Das Kapitel Srebrenica ist für die Niederlande nach wie vor ein wichtiges Thema. In den kommenden Wochen wird der Vorfall aus dem Balkan-Krieg, der schon ein Kabinett zu Fall brachte und für die Blauhelmsoldaten von Dutchbat wohl niemals in Vergessenheit geraten kann, auch in den Medien wieder vermehrt auf der Tagesordnung stehen. Der Grund dafür ist eine Klage der Angehörigen der etwa 7.000 Männer, die 1995 trotz der Anwesenheit der Mitglieder des niederländischen Militärs von Serben verschleppt und getötet werden konnten. Nach drei Jahren Vorbereitung haben die beiden niederländischen Anwälte, die den Fall übernommen haben, am vergangenen Montag zusammen mit einer Vertreterin der Angehörigen in den Den Haag die  Anklageschrift gegen den niederländischen Staat eingereicht, den sie zusammen mit den Vereinten Nationen als für mitverantwortlich am größten Völkermord in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg betrachten. Die Frauen und Mütter, die mit Bussen nach Den Haag gereist waren, um ihrem Anspruch auf Entschädigungsleistungen vor Ort Ausdruck zu verleihen, erhoffen sich eine lückenlose Rekonstruktion der Geschehnisse und die Anerkennung ihrer Situation. Axel Hagedorn, Vertreter der Anklage, sagt voraus, dass der Fall „zu einem der größten Gerichtsprozesse der Niederlande“ werden könnte. Seiner Ansicht nach ist in der niederländischen Presse jahrelang ein falsches Bild von den Vorkommnissen in Srebrenica vermittelt worden. Daher hält er die Anklage für absolut berechtigt.