Nachrichten Juli 2007



JUSTIZ: Fünfter Heineken-Entführer gefasst

Amsterdam. MG/VK/NRC. 04. Juli 2007.

Nach 24 Jahren ist die niederländische Polizei kurz davor, auch die letzten fehlenden Puzzlestücke im bekanntesten Kriminalfall des Landes aufzudecken: Im November 1983 hatte die Entführung des Brauereibesitzers Alfred Heineken und seines Chauffeurs die Niederlande drei Wochen lang in Atem gehalten. Zwar konnten die beiden Drahtzieher des Verbrechens, Willem Holleeder und Cor van Hout, drei Monate nach der Freilassung der beiden Entführten in Frankreich festgenommen werden. Ein Teil des Lösegeldes konnte jedoch nie gefunden werden.

Bei einer Reihe von Festnahmen in den vergangenen Tagen haben die Ermittler nun Verdächtige in Gewahrsam genommen, die die nie gefundenen Millionen gewaschen haben sollen. Allen voran der als „fünfter Entführer bekannte Rob G., der 1983 bereits einige Zeit im Gefängnis gesessen hatte, weil er verdächtigt wurde, an dem Verbrechen beteiligt gewesen zu sein. Damals hatte ihm aber nichts nachgewiesen werden können. G. soll den Teil des Lösegeldes in Bordelle und Spielhallen investiert haben, den Holleeder und Van Hout 1983 in Frankreich vergraben hatten. Es geht um einen Betrag von etwa 2,7 Millionen Euro, die G. von einem anderen Freund der beiden Kriminellen, Thomas van der Bijl, erhalten hatte. Dieser hatte vor seiner Ermordung im Jahr 2006 die Polizei umfassend über die Abläufe im Falle Heineken unterrichtet.

Erst jetzt konnten die Ermittler alle Beweise zusammentragen, die für die Festnahmen erforderlich waren. Willem Holleeder befindet sich seit Anfang 2006 wegen Erpressungen in der Logistikbranche im großen Stil in Untersuchungshaft. Der Prozess gegen ihn wurde jedoch im April dieses Jahres unterbrochen, da sein Gesundheitszustand keine Teilnahme an den Verhandlungen mehr zuließ (NiederlandeNet berichtete). Cor van Houten wurde im Jahr 2003 ermordet, vermutlich im Auftrag seines früheren Freundes Willem Holleeder.