Nachrichten Januar 2007



DEMOGRAPHIE: Imame wandern aus

Amsterdam. MSJ/VK/NRC/EV. 19. Januar 2007.

Den Moscheen gehen die Imame aus, das beklagen die Vorsitzenden verschiedener muslimischer Organisationen in den Niederlanden. Der Einbürgerungskursus ist Pflicht, die Aufenthaltserlaubnis muss jedes Jahr neu beantragt werden und bereits vor der Einreise muss Niederländisch gepaukt werden: Weil die geistigen Führer der überwiegend marokkanischen Gemeinden ihre Zukunft als zu unsicher empfinden, gehen viele von ihnen lieber nach Belgien, Frankreich oder Spanien. In den verwaisten Gotteshäusern übernehmen Laienprediger inzwischen die Regie. Die beziehen ihre Kenntnis oft aus dem Internet und fördern die Radikalisierung, bedauert Nasr Joemman vom CMO (Contactorgaan Moslims en Overheid), einer Institution, die zwischen Muslimen und dem Staat vermittelt.Glaubensbrüder aus Surinam und der Türkei haben dagegen kaum Probleme. Surinamer Imame werden schon seit längerem in den Niederlanden selbst ausgebildet, ihre türkischen Kollegen genießen die Sonderregelung aus einem Vertrag mit Ankara, wodurch sie drei Jahre ohne weitere Behördengänge tätig sein dürfen. Marokkanische Gemeinden müssen ihre freien Stellen beim niederländischen Arbeitsamt melden. Erst nach sechs Monaten darf dann auch im Ausland nach einer passenden Besetzung gesucht werden. Wer aus den Nachbarländern angeworben wird, ist oft unerfahren, kritisiert Driss El-Boujoufi von der Union marokkanischer Moslem-Organisationen (Unie van Marokkaanse Moslim Organisaties in Nederland). Das Justizministerium verteidigt seine Vorgehensweise: Jeder Immigrant muss schließlich den Einbürgerungskursus absolvieren. Die engmaschige Aufenthaltserlaubnis soll darüber hinaus die Ausweisung von sogenannten Hasspredigern erleichtern. Vorerst werden die Marokkaner noch einen langen Atem benötigen, denn die allgemeine Imam-Ausbildung in den Niederlanden hat gerade erst begonnen – in etwa sieben Jahren wird der erste Jahrgang frischgebackener Absolventen erwartet.