Nachrichten Januar 2007



BILDUNG: Hochschulanfänger können nicht lesen und rechnen

Den Haag. MG/VK/EV/NRC. 17. Januar 2007.

Niederländische Schulabgänger, die ein Studium an einer der zahlreichen Hogescholen des Landes aufnehmen, können häufig nicht richtig schreiben und lesen. Das hat gestern der Vorsitzende des HBO-Rates (HBO = hoger beroepsonderwijs; vergleichbar mit den deutschen Fachhochschulen), Doekle Terpstra, bekannt gegeben. Seinen Angaben zufolge hatte ein großer Teil der Studenten, die sich im ersten Jahr ihrer Ausbildung zum Grundschullehrer befanden, bei einem Sprachtest sehr schlecht abgeschnitten. Obwohl der Test auf dem Niveau der siebten Klasse von Realschule bzw. Gymnasium angelegt war, konnten viele Studenten die Aufgaben nur unzureichend lösen. Insgesamt fielen 68 Prozenten der Teilnehmer durch, ein Ergebnis das die Verantwortlichen als alarmierend einstufen. Bereits vor einiger Zeit war bei einem anderen Test herausgekommen, dass die Rechenkünste der jungen Studenten ebenfalls katastrophal sind. Deshalb wird jetzt laut darüber nachgedacht, ein Zwischenjahr einzuführen, bevor die Neulinge an den Hochschulen ihr Studium aufnehmen dürfen. Wer durch den Test fällt, sollte nach Ansicht von Terpstra zukünftig erst einige Monate die niederländische Rechtschreibung und Grammatik lernen, damit anschließend ein höheres Niveau in der Ausbildung gewährleistet werden kann. Vonseiten der Politik fielen die Reaktionen auf diesen Vorstoß verhalten aus. Bildungsministerin Maria van der Hoeven sieht das Problem schon im Grundschulbereich verwurzelt und möchte die Veränderungen viel eher ansetzen. Schwierigkeiten mit den Sprachfähigkeiten der Schulabsolventen haben aber nicht nur die Hochschulen. Bereits in der letzten Woche hatte das NRC Handelsblad einen Artikel veröffentlicht, wonach auch die Universitäten mit unzureichenden Lese- und Schreibkompetenzen ihrer Studenten zu kämpfen haben. Eine Groninger Marketing-Professorin formulierte es drastisch: „Vor zwanzig Jahren fiel es auf, wenn jemand die Rechtschreibung nicht beherrschte oder schlecht formulierte. Heutzutage fällt es auf, wenn jemand keine Fehler macht.“