Nachrichten Januar 2007



JUSTIZ: Topkrimineller Holleeder gibt Fernsehinterview

Amsterdam. MG/VK/TR. 10 Januar 2007.

Der wegen mehrfacher Erpressung und Mordes angeklagte Willem Holleeder hat dem Fernsehjournalisten John van den Heuvel ein Telefoninterview gegeben, das gestern Abend im niederländischen öffentlich-rechtlichen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Darin beteuerte Holleeder, der bereits in den 80er Jahren für die Entführung des Brauereidirektors Freddy Heineken zu einer längeren Haftstrafe verurteilt worden war, seine Unschuld. Zum ersten Mal brach er mit dem Interview sein Schweigen gegenüber der Presse, seit er Anfang 2006 erneut verhaftet wurde. Auch gegenüber Polizei und Justiz hatte er in den letzten Monaten beharrlich geschwiegen. Die Tatsache, dass er dem Fernsehen ein telefonisches Interview geben konnte, löste Diskussionen aus, da Holleeder in einem Hochsicherheitsbereich des Gefängnisses einsitzt und ein solches Interview hätte genehmigen lassen müssen. Nun  soll untersucht werden, wie das Gespräch zustande kommen konnte und ob er mit Konsequenzen zu rechnen hat. Normalerweise kann keinerlei Kontakt zur Außenwelt aufgenommen werden, ohne dass das Gefängnispersonal diesen überprüft. Bis vor einigen Monaten hatte Holleeder selbst mit seinem Anwalt nur hinter Sicherheitsglas sprechen dürfen. Nachdem er aber in Hungerstreik getreten war, hatte die Gefängnisleitung von der Sicherheitsmaßnahme abgesehen. In dem Interview sagte er, nicht sonderlich glücklich mit der Regelung zu sein, da er nun Handschellen während der Gespräche tragen müsse. Außerdem machte er erneut deutlich, die Verbrechen, für die er beschuldigt wird, nicht begangen zu haben: „Es ist nicht einfach, wenn man in den Medien als eine Art Monster dargestellt wird. (…) Und man weiß selbst, dass man es nicht getan hat.“ Die leitenden Staatsanwälte in dem Fall sind hingegen weiterhin der Ansicht, dass Holleeder der Kopf einer professionellen Erpresserorganisation ist. Der Prozess beginnt im April.