Nachrichten Februar 2007



JUSTIZ: Holleeders Anwalt gibt Fall an Kollegen ab

Amsterdam. MG/VK/NRC/QUOTE. 20. Februar 2007.

Der Fall Willem Holleeder steht erneut im Mittelpunkt des Medieninteresses. Dieses Mal geht es jedoch nicht um den früheren Heineken-Entführer selbst, dem vorgeworfen wird, sich in der Amsterdamer Unterwelt durch Erpressung und Mord schuldig gemacht zu haben, sondern um dessen Rechtsanwalt. Bram Moszkowicz gab am gestrigen Montag in einer Pressekonferenz seinen Rückzug aus dem Fall Holleeder bekannt. Die Verteidigung wird von nun an Jan-Hein Kuijpers aus Den Bosch übernehmen. Moszkowicz nannte als Grund für seine Entscheidung eine Verschwörung, die gegen seine Person laufe und die es ihm nicht mehr ermögliche, Holleeder adäquat vertreten zu können. In den vergangenen Monaten, aber besonders in den letzten Wochen war er aus verschiedenen Richtungen scharf kritisiert worden. Besonders die Tatsache, dass er früher den Unternehmer Willem Endstra verteidigt hatte, dessen Ermordung Holleeder vorgeworfen wird, stößt auf Unverständnis. Der Journalist Jost Kelder nannte Moszkowicz deshalb einen ‚Mafiafreund’, woraufhin der so Bezeichnete Klage einreichte. Die Richterin wies die Klage jedoch Mitte Februar mit der Begründung ab, dass Moszkowicz nicht ausreichend habe nachweisen können, dass die Bezeichnung unzutreffend sei. In seiner Reaktion nannte dieser das Urteil ‚infam und verächtlich’. In der 45 Minuten dauernden Pressekonferenz äußerte Moszkowicz sich vor den anwesenden Journalisten auch kritisch zum Vorgehen der Staatsanwaltschaft. In Holleeders Akte tauche häufig auch sein Name auf, obwohl er selbst nicht zu den Angeklagten zähle. Den Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft nach hatten in seinem Büro jedoch auch Treffen zwischen Holleeder und Endstra stattgefunden. Moszkowicz bestreitet dies. Entgegen seiner früheren Aussagen in der Volkskrant sagte er gestern, dass Holleeder seine Kanzlei nicht als Postadresse genutzt habe. Zur Klärung der Unstimmigkeiten rund um die Behandlung von Bram Moszkowicz hat der Vizepräsident des Gerichtshofes in Amsterdam, Huub Willems, am Montag Abend eine unabhängige Untersuchung gefordert. Er nannte es ‚inakzeptabel’, dass ein Anwalt sich gezwungen sehe, einen Fall abzugeben und möchte klären, wer hierfür verantwortlich gemacht werden müsse.