Nachrichten Dezember 2007



KULTUR: Heute kommt Sinterklaas mit Amerigo und dem Zwarte Piet

Amsterdam. FN/VK/minbuza. 5. Dezember 2007.

Heute ist Pakjesavond: Alle Kinder, die recht artig waren, bekommen heute in den Niederlanden Geschenke vom Sinterklaas. Sinterklaas – der Name ist eine Verkürzung von Sint Nikolaas – lebt in Spanien. Warum gerade dort, weiß niemand so genau. In Spanien verbringt er jedenfalls die meiste Zeit des Jahres damit, sich in einem großen roten Buch Notizen über das Benehmen der Kinder zu machen, während sein Knecht, der Zwarte Piet, Geschenke für den nächsten 5. Dezember zusammenträgt. Anfang November sattelt Sinterklaas dann seinen Schimmel „Amerigo“ und fährt gemeinsam mit dem Zwarte Piet per Schiff in die Niederlande. Die Ankunft des Sinterklaas wird, jedes Jahr in einer anderen Hafenstadt, mit einer offiziellen Begrüßung durch den Bürgermeister gefeiert. Der anschließende Umzug wird live im Fernsehen übertragen.

In den Niederlanden wird das Fest des heiligen Sankt Nikolaus, das auf den Bischof Nikolaus von Myra aus dem 3. Jahrhundert zurückgeht, seit dem 15. Jahrhundert mit Geschenken gefeiert. Mit einer Opfergabe an die Armen wurde an den Sterbetag des Heiligen gedacht. Nachdem aus dem christlichen Feiertag ein Familienfest wurde, stellten die Kinder ihre Schuhe an den Schornstein, damit sie vom Sinterklaas Spielsachen und Süßigkeiten bekommen können. Der Sinterklaas trägt auch heute noch einen roten Bischofstalar, die Mitra und den Hirtenstab. Der Zwarte Piet (Schwarzer Peter) ist, ebenso wie in Deutschland Knecht Ruprecht, der Helfer des Sinterklaas. Nur die Kinder, die nicht lieb waren, müssen sich vor ihm fürchten, denn es soll schon vorgekommen sein, dass der Zwarte Piet die wirklich bösen Kinder in einen großen Jutesack steckt und mit nach Spanien nimmt. Besonders wichtig ist aber, dass der Humor nicht zu kurz kommt. Die Geschenke, die man sich untereinander in der Familie und mit Freunden macht, werden fantasievoll verpackt und teilweise versteckt. In der Regel beschenken sich auch die Erwachsenen. Jeder Beschenkte bekommt ein Gedicht, in dem er liebevoll auf den Arm genommen wird.

Neben den alten Traditionen ist Sinterklaas aber auch das Fest des Konsums. Aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS NIPO geht hervor, dass sich 53 Prozent der Niederländer in diesem Jahr zu Sinterklaas beschenken. Damit folgt eine knappe Mehrheit dem niederländischen Brauch, zu Nikolaus und nicht zu Weihnachten Geschenke zu verteilen. Durchschnittlich werden über 130 Euro pro Person ausgegeben. Die Einzelhändler sind sehr zufrieden mit dem Weihnachtsgeschäft. Berechnungen der Einzelhandelsverbände zur Folge werden die Niederländer in diesem Jahr rund 20 Prozent mehr Geld für Sinterklaas- und Weihnachtsgeschenke ausgeben. Die negative Stimmung, die durch die Kreditkrise in den USA verursacht wurde, hat keine Auswirkungen auf das Weihnachtsgeschäft. Eus Peters vom Winkelraad: „Die Konsumenten lassen sich nicht durch die Wirtschaftsprognosen verrückt machen.“ In diesem Jahr verschenkt Sinterklaas neben den üblichen Spielsachen vor allem teure Elektrogeräte wie Laptops, iPods und Flachbildschirmfernseher. Die größte Umsatzsteigerung wird bei den Computerspielen verzeichnet. Im Vergleich zum Vorjahr werden voraussichtlich 55 Prozent mehr Spiele für PCs und Spielkonsolen verkauft. Ob die Kinder in den Niederlanden wohl wirklich so artig waren?