Nachrichten Dezember 2007



BILDUNG: Masterstudium soll teurer werden

Den Haag/Amsterdam. FN/VK. 4. Dezember 2007.

Das Masterstudium an niederländischen Universitäten und Hochschulen soll teurer werden. Das geht aus Plänen des Ministeriums für Bildung, Kultur und Wissenschaft (OWC) hervor. Die Zahl der Studierenden in den Masterstudiengängen wird bei einer Erhöhung der Studiengebühren voraussichtlich zurückgehen. Bildungsminister Ronald Plasterk betonte jedoch in einem Interview mit der Tageszeitung De Volkskrant, dass Universitätsabsolventen mit einem Bachelor-Abschluss sehr gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Die Absolventen würden die Möglichkeit, auf den Masterabschluss zu verzichten und nach dem Bachelor ins Berufsleben einzusteigen nur noch nicht häufig genug in Betracht ziehen.

Aber sind die Chancen mit einem Bachelor-Abschluss auf dem Arbeitsmarkt wirklich so rosig? Die Arbeitgeber scheinen sich nicht um die Bachelor-Absolventen zu reißen. Chiel Renique, Verantwortlicher für Bildung beim Unternehmerverband VON/NCW schätzt die Situation völlig anders als der Bildungsminister ein, indem er den Bachelorgrad nicht als vollwertigen Abschluss einstuft. „Wir verstehen den Bachelor als einen Zwischenstopp in der universitären Ausbildung.“ Auf die Pläne des Ministeriums, die Kosten für das Masterstudium zu erhöhen, reagierte er mit Unverständnis. „Wir können uns nicht vorstellen, dass Minister Plasterk ernsthaft die Zahl der Masterstudenten senken will.“ Ein Sprecher des niederländisch-britischen Nahrungsmittelkonzerns Unilever bestätigte ebenfalls die Einschätzung: „Wir stellen im Rahmen unseres Traineeprogramms fast ausschließlich Master-Absolventen ein. Die Einstellung eines Bachelor-Absolventen kommt nur gelegentlich vor.“

In den Niederlanden gibt es, ähnlich wie in Deutschland, zwei Formen von Hochschulen. Das Studium an einer Universität zielt darauf ab, die Studierenden zum selbständigen wissenschaftlichen Arbeiten zu befähigen. Die die berufsbildenden Hochschulen, die als „Hoger Beroeps Onderwijs“ (Höhere Berufsbildung, kurz HBO) oder als „hogescholen“ bezeichnet werden sind, ebenso wie die deutschen Fachhochschulen, praxisorientierter. Die HBOs bilden ihre Studierenden fachbezogen und joborientiert aus. Viel Wert wird dabei auf das Absolvieren von Praktika gelegt. Mehr als die Hälfte der niederländischen Hochschulstudenten ist an einer HBO eingeschrieben. In der Regel dauert das Bachelor-Studium an der HBO vier Jahre. An der Universität wird nach drei Jahren die Bachelor-Prüfung abgelegt. Der Master kann dann nach einem meistens einjährigen universitären Aufbaustudium erworben werden. Im Vergleich zum deutschen Hochschulsystem ist die niederländische Lehre stark verschult. Die individuelle Betreuung der Studenten ist viel intensiver, da die Studierendenzahl im Verhältnis zur Anzahl der Dozenten deutlich günstiger ist als in Deutschland.

Seitdem sich die EU-Staaten 1999 verpflichtet haben, das Hochschulsystem europaweit zu vereinheitlichen nehmen auch die Niederlande am so genannten Bologna-Prozess teil. Die Bachelor-Masterstruktur wurde in den Niederlanden einheitlich eingeführt und löste somit die alten akademischen Grade, wie zum Beispiel den Titel Kandidaats für den ersten akademischen Abschluss, ab.