Nachrichten August 2007



POLITIK: Parteivorsitz der PvdA

Den Haag. JOK/NRC/VK. 31. August 2007.

Die sozialdemokratische PvdA gibt heute im Laufe des Tages offiziell die Kandidaten für den Parteivorsitz bekannt, die im September von den Mitgliedern gewählt werden können. Bisher war die Diskussion um die Nachfolge des amtierenden Politikprofessors Ruud Koole, der als vorübergehender Vorsitzender eingesetzt wurde, geprägt von Auseinandersetzungen und Unstimmigkeiten, die in der niederländischen Presse einen überaus großen Widerhall fanden. Die Verkündung des CDA-Kandidaten im Juni dieses Jahres hat vergleichsweise keinerlei mediale Beachtung erfahren – dafür besteht dann aber auch über Van Heeswijks Haltung dem Parteichef Jan Peter Balkenende und den aktuellen tagespolitischen Themen gegenüber kaum Klarheit. Dem PvdA-Parteichef Wouter Bos hingegen kann der zukünftige Parteivorsitzende durchaus Kopfschmerzen bereiten: Konflikte zwischen Parteichef und –vorsitzenden sind, nicht nur mit Blick auf die Haltung und Stellung seiner Vorgänger, so gut wie vorprogrammiert. Aus den Äußerungen des derzeitigen Favoriten J.P. (Jan) Pronk, der eine Untersuchung über die niederländische Rolle im Irakkrieg fordert und deutlich Position zum Kündigungsschutz bezieht, kann man leicht ableiten, dass Pronk im Falle einer Wahl durchaus gewillt ist Einfluss auf die großen politischen Leitlinien der Partei zu nehmen. Die angesprochenen Ausführungen Pronks sind für Bos vor allem deshalb problematisch, da sie den im Koalitionsvertrag unterzeichneten, auch innerhalb der PvdA umstrittenden, Übereinkünften entgegenstehen. Jan Pronk, Jahrgang 1940, Ex-Minister in vier Kabinetten und Exponent des linken Flügels der PvdA, kann dem angeschlagenen Wouter Bos die Führung durchaus schwer machen, sollte seine Wählerschaft für die Kritik an Bos einstehen. Zu internen Auseinandersetzungen muß es aber nicht kommen, solange sich der Vorsitzende an die Grenzen des derzeitigen PvdA-Kurses hält. Doch Pronk, der beinahe so viele Dienstjahre wie Alt-Ministerpräsident Joseph Luns vorweisen kann, hat nicht nur vor interne Debatten über renommierte linke Themen – den durchschlagende Neoliberalismus, das alles bestimmende Marktdenken und die ‚wachsende Macht des Kapitals über den Faktor Arbeit’ – aufzufrischen, vielmehr will Pronk sich auch, so die niederländische Tageszeitung De Volkskrant „überall und mit allem befassen wollen“ und sich somit ganz und gar nicht still und leise damit zufrieden geben, ab und an der Partei Denkanstöße oder gutgemeinte Ratschläge zu zuflüstern.

Der größte Gegenkandidat von Jan Pronk ist die Direktorin der Hilfsorganisation Cordaid und Vizevorsitzende der Wissenschaftsabteilung der PvdA, Dr. E.M.J. (Lilianne) Ploumen.