Nachrichten August 2007



BILDUNG: Unis erbost über Finanzierungsvorhaben

Den Haag. JOK/VK/NRC/HFD/HB/. 24 August 2007.

Die niederländische Regierung will die Forschung an Universitäten wettbewerbsfähiger machen. Die Unis hingegen befürchten große Verluste für die Wissenschaft. Mit einem Beschwerdebrief reagierte die Vereinigung der Universitäten (VSNU) auf den neuen Haushaltsplan der Regierung, der laut VSNU eine Einsparung von rund 100 Millionen Euro vorsehe. Die Befürchtungen gehen von einem Schwund von bis zu 1.100 Arbeitsplätzen aus, was 14 % der gesamten Forschungskapazitäten darstelle. Der sozialdemokratische Bildungsminister Plasterk (PvdA) spricht jedoch von einer Umverteilung der Gelder in einen Topf zur weiteren Finanzierung der Spitzenforschung, den die Nederlandse Organisatie voor Wetenschappelijk Onderzoek (NWO) verwaltet. Die Universitäten, so Plasterk, würden das Geld dann nicht mehr automatisch in Form von staatlichen Subventionen erhalten, sondern müssten darum konkurrieren. Die Zuwendungen gingen somit an die Wissenschaftler, die die besten Projekte bei NWO einreichen würden. Der Vorsitzende der VSNU, Sijbolt Noorda, begrüßte die Idee, die Konkurrenz um Spitzenforschungszuschüsse zu verstärken. Doch wies er darauf hin, dass das Regierungsvorhaben die Basisfinanzierung der Universtiäten angreife und somit vor allem Doktoranden die Chance auf eine wissenschafltiche Laufbahn erschwere.

Auch die Doktorandenvereinigung Promovendi Netwerk Nederland teilt die Befürchtungen Noordas, dass das Geld vor allem den bereits promovierten Wissenschaftlern zukommen werde und die Position von angehenden Wissenschafltern und kleineren Projekten sich weiter verschlechtere. Besonders aber mit Blick auf den älter werdenden Personalbestand müsse eine zukunftsgerichtete Finanzierung angestrebt werden. Die VSNU geht weiter davon aus, dass die Subventionen zwar der Forschung zugute kommen werden wenn sie an NWO weitergeleitet würden, aber, so die VSNU, ab 2008 erhalte die NWO rund 100 Millionen Euro weniger Unterstützung aus den staatlichen Erdgaseinnahmen. Bisher wurde ein Teil der Erdgaseinnahmen direkt an den NWO-Topf zur Förderung der Spitzenforschung geleitet. Mit dem Wegfall dieser Einnahmequelle wäre also unter dem Strich sehr wohl von Einsparungen seitens des Staates gegenüber den Universitäten die Rede, da die Subventionen schließlich nur das finanzielle Loch der NWO stopfen würden. Die Zeitung Volkskrant veröffentlichte eine Reaktion von Plasterks Pressesprecher, der beteuerte, dass kein Cent weniger die Universitäten erreichen werde. Im Gegenteil seien die 100 Millionen Euro zusätzliches Geld für NWO, obwohl NWO ab 2010 pro Jahr 12,5 Millionen Euro weniger zugewiesen bekomme. Der Pressesprecher betonte jedoch, dass am Prinsjesdag eine Finanzspritze für die wissenschaftliche Forschung bekannt gegeben werde.

Das Vorhaben, die Universitätsfinanzierung zu verändern, muss im Zusammenhang mit dem "Prinsjesdag", der Verkündung des Haushaltes 2008, gesehen werden. Die Minister verhandeln derzeit über das Budget 2008, um die Ergebnisse dann im September zu präsentieren.