Nachrichten August 2007



FINANZEN: Übernahmestreit ABN Amro: Debatte gefordert

Amsterdam. AB/VK/NRC/TROUW. 23. August 2007.

Der Übernahmestreit um ABN Amro dauert mittlerweile schon vier Monate und noch immer ist kein Ende in Sicht. Nachdem die Politik sich bisher kaum zu den Übernahmeplänen geäußert hat, fordern die Provinzen Nord-Holland und Flevoland nun, dass Finanzminister Bos dem Bankentrio aus Royal Bank of Scotland (RBS), Banco Santander und Fortis die Übernahmeerlaubnis verweigert. Damit sprechen sie sich gleichzeitig für die Übernahme durch die britische Bank Barclays aus, der Bos am 13. August grünes Licht für die Übernahme von ABN Amro gegeben hatte. Die Abgeordneten Andries Greiner (CDA) aus Flevoland und Jaap Bond (CDA) aus Nord-Holland fürchten, dass die Übernahme durch das Konsortium viele Entlassungen nach sich ziehen und einen „dramatischen Effekt“ auf das Image Amsterdams als Geschäftszentrum haben könnte. Wenn der Hauptsitz der Bank nicht in Amsterdam bleibe, destabilisiere das die niederländische Wirtschaft und besonders den Finanzsektor. Das Bankentrio hatte am 10. und 13. August Aktien von ABN Amro gekauft und so im Zuge der allgemeinen Bankenkrise seinen Anteil an dem Unternehmen von einem auf 3,25 Prozent erhöht. Damit hatte es gerade zu dem Zeitpunkt seine Übernahmeabsichten untermauert, als Zweifel an der Kreditwürdigkeit von Fortis und Gerüchte über einen Rückzieher von Barclays aufgekommen waren. Inzwischen hat auch Barclays sein fortbestehendes Interesse an ABN Amro bekundet. In einem Interview mit dem amerikanischen Sender CNBC sagte Barclays-Chef Bob Diamond am vergangenen Dienstag, dass die Unruhe an den Börsen keinen Einfluss auf die Übernahmeabsichten habe. Weil das Angebot von Barclays größtenteils aus Anteilen bestehe, sei seine Bank geschützt vor Marktbewegungen, die ABN Amro im Wert sinken ließen. Diese Beschaffenheit ist aber gleichzeitig die Schwäche des Gebots gegenüber dem des Konsortiums, das weniger Anteile dafür aber viel mehr Kontanten bietet. Der Vorteil der Übernahme durch Barclays wiederum ist der Erhalt der ABN-Amro-Strukturen im Land und eine Verbindung zum chinesischen Markt (NiederlandeNet berichtete im Juli). Gerade die mögliche Zerteilung der größten nationalen Bank durch das Trio bereitet den Niederländern Sorge. Deshalb fordert nun auch die Zweite Kammer eine Aussprache mit Finanzminister Bos. Auch der Abgeordnete Ewout Irrgang (SP) gab inzwischen bekannt, er hoffe darauf, dass Bos dem Bankentrio die Übernahme verbietet. Während die SP und GroenLinks (mit Unterstützung von der Partij voor de Vrijheid und D66) Bos noch befragen wollen, bevor dieser in Zusammenarbeit mit De Nederlandsche Bank über die nötige Übernahmeerlaubnis entscheidet, möchte der Koalitionspartner PvdA erst im Anschluss an die Entscheidung eine Diskussion führen. Bos' Entscheidung wird im September erwartet. Wann die Debatte in der Zweiten Kammer stattfindet, ist noch nicht bekannt.