Nachrichten August 2007



AFGHANISTAN: Niederländische Soldaten erschießen afghanische Zivilisten

Den Haag. MG/VK. 6. August 2007.

Niederländische Soldaten haben am gestrigen Sonntag zum zweiten Mal innerhalb von einer Woche einen afghanischen Verkehrsteilnehmer erschossen, der zuvor Warnsignale der Militärs missachtet hatte. Am vergangenen Mittwoch war der Fahrer eines Kleinbusses in der Nähe von Tarin Kowt mit seinem Fahrzeug auf einen Militärkonvoi zugefahren, nachdem die Soldaten ein Warnsignal und einen Warnschuss abgegeben hatten. Daraufhin schossen sie direkt auf den Afghanen, der tödlich getroffen wurde.  Der gestrige Vorfall ereignete sich in ähnlicher Weise: nach mehrmaligen Warnungen, die ein Mopedfahrer mit Beifahrer missachtet hatte, schossen die Soldaten, die sich auf Patrouille in der Nähe von Deh Rawod befanden, auf den Mann und töteten ihn. Sein Beifahrer blieb unverletzt. Nach Angaben von Militärvertretern hielten sich die Soldaten in beiden Fällen strikt an die Prozedur zur Vereitelung von Selbstmordanschlägen, die in letzter Zeit vermehrt auftreten. Ungeklärt ist bisher jedoch, ob die beiden getöteten Afghanen tatsächlich einen Anschlag geplant hatten. Indes fällt die Halbzeitbilanz der Beteiligung am Afghanistan-Einsatz ernüchternd aus. Vor einem Jahr waren die niederländischen Truppen mit dem Ziel nach Uruzgan gekommen, am Wiederaufbau des Landes zu arbeiten. Mittlerweile gelangen aber mehr Berichte über Kampfhandlungen in die Heimat als über erfolgreiche Infrastrukturmaßnahmen. Dies könnte unter Umständen auch Einfluss darauf haben, ob der Einsatz in Afghanistan über das Jahr 2008 hinaus verlängert werden soll. Die Entscheidung darüber soll in Den Haag noch in diesem Jahr getroffen werden (NiederlandeNet berichtete).