Nachrichten April 2007



JUSTIZ: Prozess gegen Holleeder unterbrochen

Leiden. MG/VK/NRC. 13. April 2007.

Der Prozess gegen Willem Holleeder, den früheren Heineken-Entführer, dem nun Erpressung in großem Stil vorgeworfen wird, ist für eine noch nicht absehbare Zeit zum Erliegen gekommen. Aus gesundheitlichen Gründen konnte Holleeder schon in der vergangenen Woche nicht mehr an dem Prozess gegen ihn und acht weitere Verdächtige teilnehmen. Sein Anwalt setzte deshalb durch, dass die Verhandlung vorübergehend ausgesetzt wird. Holleeder litt unter Herzklappenproblemen, die sich am Wochenende so sehr verschlimmerten, dass er vom Gefängniskrankenhaus in ein Krankenhaus in Scheveningen verlegt werden musste. Am gestrigen Donnerstag wurde er in der Universitätsklinik von Leiden am offenen Herzen operiert und liegt nun noch im künstlichen Koma. Die Operation ist zwar gut verlaufen, die Genesung wird jedoch drei bis sechs Monate dauern. Was das für das laufende Verfahren bedeutet, wird die Justiz bis Montag entscheiden. Vier der acht Mitangeklagten sitzen noch in Untersuchungshaft und könnten dort vermutlich nicht festgehalten werden, bis Holleeder wieder verhandlungsfähig ist. Für zwei Zeugen, die sich nach langem Zögern bereit erklärt hatten, in dem Prozess auszusagen und die inzwischen bekannt sind, würde damit die Angst vor Racheaktionen steigen. Außerdem haben die beteiligten Richter und Staatsanwälte bereits ein ganzes Jahr zur Vorbereitung der Verhandlung gebraucht. Im Interesse der meisten Beteiligten läge daher eine rasche Wiederaufnahme des Prozesses. Auch die Anwälte zweier Angeklagter haben bereits erklärt, dass ihre Mandanten nicht noch länger auf das Verfahren warten möchten. Auf der anderen Seite würde eine Fortsetzung ohne den Hauptverdächtigen zur Folge haben, dass sich für dessen späteren Prozess neue Richter in den umfangreichen Fall einarbeiten müssten. Spekuliert wird unterdessen über die Ursachen von Holleeders gesundheitlichem Zustand. Neben den Herzklappen funktionieren auch seine Nieren und die Leber nicht mehr richtig. Sein Anwalt schloss daher sogar eine Vergiftung nicht aus. Die Ergebnisse einer toxikologischen Untersuchung liegen aber bisher nicht vor. Experten halten eine Vergiftung als Ursache für die Herzprobleme jedoch für unwahrscheinlich.

Nach kurzer Pause soll es weitergehen

Amsterdam. MG/VK. 16. April 2007.

Der zuständige Richter hat am heutigen Montag entschieden, dass der Prozess gegen Willem Holleeder für die Dauer von wenigen Wochen unterbrochen werden soll. Nach Angaben des leitenden Staatsanwaltes, Koos Pooij, haben Holleeders behandelnde Ärzte gesagt, dass er bereits in zwei Wochen aus dem Krankenhaus entlassen werden könne. Die Ankündigung von Holleeders Anwalt, er sei voraussichtlich zwei bis drei Monate verhandlungsunfähig, hielt Plooi für eine Verteidigungsstrategie. Er erläuterte, dass ein Unterschied bestehe zwischen einer vollständigen Genesung und einer ausreichenden Besserung des Gesundheitszustands, um sich vor Gericht verantworten zu können. Im Verlauf der kommenden Woche erwartet Plooij nähere Angaben von den Ärzten, wann Holleeder wieder an dem Prozess teilnehmen kann.