Nachrichten April 2007



WIRTSCHAFT: Fehlende Deutsch-Kenntnisse schaden der Wirtschaft

Den Haag. Denise Ludwig.

Alle Niederländer sprechen gut Deutsch. Das denken zumindest wir Deutsche über unsere Nachbarn. Stimmt nicht! Nicht immer, nicht mehr. Seit 1999 können die Schüler – neben dem Pflichtfach Englisch – zwischen Französisch und Deutsch wählen. Die Folge: Immer weniger Niederländer sprechen ausreichend Deutsch. Dadurch lassen sich die Exportunternehmen aus dem Nachbarland geschätzte acht Millionen Euro Umsatz durch die Lappen gehen. Stellte nun die Deutsch-Niederländische Handelskammer in Den Haag fest. Auch die Schulen wissen um die Problematik. Es war eine schöne Zeit, als das Zandvliet College im Zentrum von Den Haag regelmäßig nach Berlin fuhr, als die Schüler sich die Stadt ansahen, am Unterricht der Luise Henriette Oberschule in Tempelhof teilnahmen und das deutsche Leben in Gastfamilien miterlebten. Zehn Jahre lang gab es diesen Schüleraustausch, weiß Loes Smit-Naaborg, seit 36 Jahren Lehrerin am Zandvliet und Leiterin der Sektion Deutsch. “Doch als 89 die Mauer fiel, war Deutschland und Berlin plötzlich nicht mehr so interessant für die Schüler”, erinnert sie sich. Irgendwann dann wurde aus finanziellen Gründen der Zuschuss für den Austausch gestrichen und so schlief die ganze Sache ein. Doch nun ist die weiterführende Schule wieder mit der Internationalisierung beschäftigt. Sie nimmt an dem Kulturprojekt “life through the lens” - Leben durch die Linse – mit Schulen  aus Deutschland, England, Belgien, Bulgarien, Frankreich, Spanien und Polen teil. “Die Schüler entscheiden sich bei ihrer Fremdsprachenwahl aber immer noch mehr für Deutsch als für Französisch”, weiß Loet Smit-Naaborg. Und sie denkt, dass dieser Trend weiteranhält, sich sogar verbessert. “Junge Menschen wissen, dass Deutsch wichtig ist, dass Deutschland der wichtigste Handelspartner für die Niederlande ist. Und: Deutschland wird bei den Niederländern als Urlaubsziel immer beliebter”, sagt sie. Außerdem lägen die Kriegsereignisse nun immer länger zurueck. “Auch das spielte mal eine große Rolle”, meint die Lehrerin.