Nachrichten April 2007



JUSTIZ: Prozess gegen Holleeder beginnt unter schwierigen Bedingungen

Amsterdam. MG/VK/NRC. 5. April 2007.

Der Prozess gegen den zurzeit vielleicht bekanntesten Vertreter der niederländischen Unterwelt, Willem Holleeder, hat in dieser Woche unter schwierigen Bedingungen begonnen. In der Nacht von Sonntag auf Montag wurden zwei Geschosse aus einem Auto auf den Sitzungssaal abgefeuert, in dem die Verhandlung geführt werden sollte. Das in Amsterdam-Osdorp gelegene Gebäude wird allgemein der ‚Bunker’ genannt, weil es zusätzlich abgesichert ist. Trotzdem konnten die Raketen einigen Schade anrichten und musste der Prozess in einen anderen Sitzungssaal verlegt werden. Noch ist unbekannt, wer hinter dem Anschlag steckt. Es hieß jedoch, dass Sicherheitskreise das Leben der Prozessbeteiligten in Gefahr sahen. Neben Willem Holleeder stehen weitere acht Angeklagte vor Gericht. Ihnen werden Erpressung in großem Stil und mehrere Morde vorgeworfen. Am heutigen Donnerstag werden Tonbänder gehört werden, die Gespräche zwischen der Polizei und dem 2004 ermordeten Willem Endstra wiedergeben. Auf den Bändern berichtet Endstra, dass er von Holleeder erpresst werde und aus Angst um sein Leben und das seiner Familie nicht mit der Polizei darüber reden könne. Die Anwälte der Angeklagten halten die Tonaufnahmen jedoch nicht für beweistauglich, da Endstra selbst einen kriminellen Hintergrund hatte und nicht mehr befragt werden kann. Holleeders Strafverteidiger, Jan-Hein Kuijpers, will außerdem zwei anonyme Zeugen vorladen, die die kriminellen Verwicklungen von Endstra  bestätigen sollen. Koos Plooij und Saskia de Vries, die beiden Staatsanwälte im Prozess gegen Holleeder, sehen die Machenschaften von Endstra jedoch nicht als relevant an. Voraussichtlich bis Mitte Juni wird sich der Prozess gegen Willem Holleeder hinziehen, der in den Niederlanden schon in den Achtziger Jahren zu zweifelhaftem Ruhm gelangte, als er zusammen mit einem Komplizen den Biermagnaten Freddy Heineken entführte. Seitdem hat er sich zu einem der Topkriminellen des Landes entwickelt, auf dessen Konto neben zahlreichen anderen Delikten auch verschiedene Morde gehen. Für Sicherheitskreise bedeuten die kommenden Wochen daher eine große Herausforderung.