Nachrichten September 2004



WIRTSCHAFT: Niederländischer Pragmatismus versus deutsche Gründlichkeit

Woerden. KA/MOB. 1. September 2004. 

Da ist er wieder, der niederländische Pragmatismus. Statt sich lange über das schwere Portemonnaie mit den vielen neuen Euromünzen aufzuregen oder zahlreiche Diskussionen über mögliche Lösungswege aus der Münzegeldkrise des Einzelhandels zu führen – wie in Deutschland - werden in den Niederlanden ab heute die Preise an den meisten der Kassen des niederländischen Einzelhandels wieder auf- bzw. abgerundet. Wie schon vor der Euroeinführung zu Zeiten des Guldens. Wer einen Betrag von 99 Cent mit einem Euro bezahlt wird kein Wechselgeld mehr erhalten. Die Ein- und Zweicent-Stücke bleiben zwar gesetzliches Zahlungsmittel, der Interessenverband für Zahlungsverkehr MOB (Maatschappelijke Overleg Betalingsverkeer) geht aber davon aus, dass schon bald im ganzen Land nur noch auf Fünfer-Beträge auf- bzw. abgerundet wird. Für einen Betrag von 29,98 Euro zahlt der Kunde demnächst 30 Euro. Bei einem Betrag von 29,97 jedoch nur noch 29,95 Euro. Nach einer Testphase im niederländischen Woerden, bei der über 150 Einzelhändler teilgenommen hatten, hat sich gezeigt, dass 83 Prozent der Bevölkerung die neue Lösung bevorzugen. Beim Kassieren wird nicht nur viel Zeit gespart sondern zudem viel Geld. Durch das Runden könnten jährlich bis 30 Millionen beim Zahlungsverkehr gespart werden, meint der MOB. Untersuchungen haben gezeigt, dass für den einzelnen Konsumenten keine Nachteile entstehen. Das Auf- und Abrunden gleiche sich aus. Der Aufwand für de Umstellung sei ebenfalls gering. Der Einzelhandel muss lediglich die Software für die Kassen umstellen, das Personal schulen und einen Hinweis anbringen, dass in dem jeweiligen Geschäft abgerundet wird. Bei elektronischer Bezahlung per Kredit- oder EC-Karte bleiben die „krummen“ Beträge übrigens erhalten und wird auf Rundung verzichtet.