Nachrichten Oktober 2004



GEDENKEN: Journalist Willem Oltmans gestern verstorben

Amsterdam. KA/NOS. 1. Oktober 2004.

Der niederländische Publizist Willem Oltmans ist Gesternabend in Amsterdam gestorben. Der 79-Jährige litt an einer Krebserkrankung und wollte im Kreis seiner engsten Freunde sterben. Oltmans hat sein ganzes Leben mit Schreiben verbracht und zahlreiche Persönlichkeiten aus Politik und Gesellschaft interviewt. Die niederländische Nachrichtensendung NOS Journaal kommentierte den Tod von Oltmans mit den Worten, dass er vielleicht kein herausragender Journalist, aber sicherlich der streitbarste Journalist in den letzten Jahrzehnten in den Niederlanden gewesen sei. Streitbar nicht zuletzt aufgrund seiner Klage gegen den niederländischen Staat in den 90er Jahren. Oltmans fühlte sich vor allem vom niederländischen Außenminister Josef Luns in den 50er und 60-er Jahren massiv in der Ausübung seiner journalistischen Tätigkeit behindert. So habe Luns, nachdem Oltmans sich nach der Unabhängigkeit Indonesiens öffentlich für die Übergabe der Niederländisch-Guineas an Indonesien aussprach, den diplomatischen Auslandsposten im Februar 1964 die offizielle Mitteilung geschickt, dass Oltmans „normal“ behandelt werden müsse. Eine Woche später habe er jedoch einen zweiten, geheimen Brief geschickt, der die offizielle Anweisung untergrub. Der zuständige Richter gab Oltmans in diesem Punkt Recht und gestand dem ehemaligen NRC- und Telegraaf-Journalisten Schadensersatzzahlungen in Höhe von acht Millionen Gulden ein. Oltmans reiste viel und arbeitete unter anderem in Süd-Afrika, Surinam und den USA. Auch widersetzte er sich Mitte der 50-er Jahre den Anweisungen seines Arbeitgebers Telegraaf und führte ein Interview mit dem indonesischen Präsidenten Achmed Sukarno, bevor dieser zwei Jahre später die Bindung mit den Niederlanden brach. Sukarno war zu diesem Zeitpunkt in den Niederlanden sehr umstritten.