Nachrichten November 2004



UMFRAGE: Pim Fortuyn - der "größte Niederländer aller Zeiten"

Hilversum. KA/FAZ/NOS. 17. November 2004.

Die Welle der Aufregung in den Niederlanden geht weiter. In der Nacht zum Dienstag wählten die Fernsehzuschauer des Senders KRO den vor anderthalb Jahren ermordeten Rechtspopulisten Pim Fortuyn zum "größten Niederländer aller Zeiten." Er bekam rund 115.000 Stimmen der Zuschauer und lag somit vor dem "Vater des Vaterlandes" Wilhelm von Oranien und dem ersten Ministerpräsidenten der Nachkriegszeit, Willem Drees. Die Plätze vier bis zehn gingen an: Antoni van Leeuwenhoek (1623-1723), Erasmus von Rotterdam (1466-1536), Johan Cruyff, Michiel de Ruyter (1607-1676), Anne Frank (1929-1945) sowie an die Maler Rembrandt van Rijn (1606-1669) und Vincent van Gogh (1853-1890). Historiker bezeichnen die Wahl von Fortuyn zum "größten Niederländer aller Zeiten" als Skandal. Er habe keinen Beitrag zur Geschichte geleistet. Fortuyn wollte 2002 mit seinem rechtspopulistischen und islamkritischen Gedankengut in das niederländische Parlament einziehen. Kurz vor der Wahl wurde er jedoch von einem Tierschützer in Hilversum erschossen. Sowohl der Mord an Fortuyn (2002) als auch an den Filmregisseur Theo van Gogh (vor zwei Wochen) haben ein ganzes Land in Aufruhe gebracht. Die Tageszeitung FAZ zitiert den niederländsichen Journalisten Youri Albracht, der „Anwalt” Fortuyns in der Show war, wie folgt: „Die Wahl ist ein Signal, dass in diesem Land etwas nicht stimmt.” Inzwischen hat der Fernsehsender KRO jedoch eingeräumt, dass bei der Stimmauszählung aus technischen Gründen 30.000 Stimmen für Wilhelm von Oranien erst nach der Sendung ausgezählt wurden, womit er vor Fortuyn gewonnen hätte. Trotz der falschen Auszählung halte man an dem Prozess und dem Ergebnis fest. Ein Notar hatte die Wahl Fortuyns zum "größten Niederländer aller Zeiten" beglaubigt.