Nachrichten November 2004



SKANDAL: Filmemacher Theo van Gogh ermordet

Amsterdam. KA/NRC/VK. 2. November 2004.

Der niederländische Filmemacher Theo van Gogh wurde heute morgen gegen 9 Uhr in Amsterdam brutal ermordet. Den 47-Jährigen trafen mehrere Schüsse. Der mutmaßliche Täter flüchtete zunächst in den nahegelegenen Oosterpark. Auf seiner Flucht schoss er ebenfalls einen Polizisten an. Dieser sei leicht verletzt. Inzwischen wurde der mutmaßliche Täter von der Polizei gefasst. Ministerpräsident Jan Peter Balkenende (CDA) sprach den Angehörigen sein Beileid aus und appellierte an die niederländische Bevölkerung keine voreiligen Schlüsse zu ziehen. Niederländische Medien berichten, dass der mutmaßliche Täter arabisch aussehe. Darüber hinaus habe man auf der Leiche Van Goghs` einen Zettel mit arabischer Schrift gefunden. Van Gogh war als Produzent von zahlreichen Low-Budget Produktionen bekannt geworden. Wie die Tagesschau berichtet, habe der Kurzfilm „Submission“ über die Unterdrückung von Frauen im Namen des Koran kontroverse Diskussionen in der niederländischen Gesellschaft ausgelöst. Nach der Ausstrahlung des Film im niederländischen Fernsehen habe van Gogh wiederholt Morddrohungen erhalten.

Reaktion des niederländischen Ministerpräsidenten

Mit großer Abscheu habe ich davon Kenntnis genommen, dass Theo van Gogh niedergeschossen wurde. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei seiner Familie, seinen Freunden und Kollegen. Bei der Schießerei wurde auch ein Polizeibeamter getroffen. Zum Glück wurde er nicht ernsthaft verwundet. Über den Tathergang und die Motive ist noch nichts bekannt. Wohl wurde ein Tatverdächtiger festgenommen. Ich appelliere an jeden, nicht sofort weitreichende Schlüsse zu ziehen. Die Tatsachen müssen sorgfältig der Reihe nach durchgegangen werden; lassen wir die Ermittlungsbehörden ihre Arbeit tun. Van Gogh war jemand, der sich mit unverkennbaren Standpunkten in die öffentliche Debatte einmischte. Ein Verfechter des freien Wortes. Es ist unannehmbar, wenn die Äußerung einer freien Meinung die Ursache dieses brutalen Mordes gewesen sein sollte. Als niederländische Regierung sind wir denn auch intensiv am Fortgang der Ermittlungen beteiligt. Die Niederlande sind ein Land, in dem Menschen ihre Meinung frei vertreten können. Das müssen wir gemeinsam verteidigen.

Jan Peter Balkenende, 2. November 2004