Nachrichten Dezember 2004



MONARCHIE: Prinz Bernhard hatte Bestechungsgelder gestanden

Den Haag. KA/NRC. 3. Dezember 2004.

Prinz Bernhard hat vor seinem Tod angeblich gestanden, in den 70-er Jahren Bestechungsgelder des US-Flugzeugbauers Lockheed angenommen zu haben. Die Wochenzeitschrift „Groene Amsterdammer“ berichtet, dass der vor zwei Jahren verstorbene Chefredakteur Martin van Amerongen zwischen 1995 und 2002 zahlreiche Gespräche mit Prinz Bernhard geführt habe. Das daraus entstandene Interview dürfe jedoch erst nach dem Tod des Prinzen veröffentlicht werden. 1974 hatte das amerikanische Unternehmen den Prinzen angefragt, für den Kauf des Starfighters F104 durch die Niederlande zu werben. Die eingerichtete Kommission, die 1976 eine Untersuchung durchführte, kam zu dem Ergebnis, dass keine Beweise für eine Bestechlichkeit Bernhards vorlägen. Zuvor hatte Königin Juliana mit Rücktritt gedroht, sollte ihrem Mann der Prozess gemacht werden. Soweit kam es nicht, doch der Prinz verlor seine Funktion als Generalinspekteur des Heeres und Botschafter der holländischen Wirtschaft im Ausland. Prinz Bernhard wird in dem Interview mit dem Groene Amsterdammer mit den Worten zitiert: „Ich weiß auch nicht mehr, was in mich gefahren ist. Ich habe in der Tat genügend Geld. Mein Geld befindet sich in drei Ländern: in den Niederlanden, in Amerika und in der Schweiz. [...] Ich habe immer viel Geld verdient, die Millionen von Lockheed hatte ich gar nicht nötig. Wie konnte ich nur so dumm sein? Übrigens habe ich den Großteil dieser Millionen gar nicht gesehen. Und den kleineren Teil habe ich weggegeben. Aber das ist für die Geschichte unwichtig. Ich habe mich mit der Tatsache ausgesöhnt, dass bald das Wort Lockheed auf meinem Grabstein stehen wird.“ Das gesamte Interview wird in der kommenden Woche am 8. Dezember im Groene Amsterdammer veröffentlicht. Darüber hinaus wird am 7. Dezember der Fernsehsender VPRO in seinem Programm „Andere Tijden“ ein noch nicht veröffentlichtes Interview zwischen dem VPRO-Redakteur Rudi Boon und dem verstorbenen Chefredakteur Van Amerongen über die Gespräche mit Prinz Bernhard senden.