![]() |
|
Material |
|
| [ Anschreiben: Einladung an die Lehrer ] | |
[Editorial]
Mit dem im folgenden dokumentierten Anschreiben wurden die Gymnasien in Münster (und zum Teil auch darüber hinaus) eingeladen, sich an unserem Projekt zu beteiligen.
Das Angebot wurde, mit zwei Ausnahmen, angenommen, so daß sich schließlich 17 Gymnasien mit insgesamt 1706 Schülern an der Pilotphase des Projekts beteiligten.
(Eine Schule wollte, und das ist im konkreten Fall nur zu verständlich, wollte ihre Schüler davor schützen, schon wieder einmal als "Datenträger" instrumentalisiert zu werden. Daß sich eine zweite Schule nicht beteiligte, lag an einem Mißverständnis unseres Anliegens: wir wollen die Kinder nicht zu "Lückentext-Meistern" konditionieren aber dieses Mißverständnis sollte sich im weiteren Verlauf des Projektes ausräumen lassen. Denn unser Angebot, das steht jetzt schon fest, wird zu einem festen Bestandteil unserer Kooperation mit den Schulen "vor Ort" und darüber hinaus werden.)
Inhaltliche Unterstützung von Lehrern und Schulen
In der ersten Projektphase stand (und steht noch) die Problematik des Deutschen im Vordergrund, insbesondere die von vielen Seiten zurecht beklagte mangelnde Rechtschreibleistung der meisten Kinder.
Um Lehrern dabei behilflich zu sein, sich nicht immer nur auf die für alle Beteiligten unbefriedigende Rückmeldung richtig/falsch beschränken zu müssen (wie dies leider nur zu oft die Regel ist: welcher Lehrer kann sich schon die Zeit nehmen und die Fehlerschwerpunkte jedes einzelnen Kinds analysieren? Wie viele Lehrer haben sich ein Gespür dafür erhalten könnnen, welche Denkleistung in jedem einzelnen Fehler von Kindern stecken kann? Und welcher Lehrer hat selbst eine solch umfassende Ausbildung genossen, daß er immer und in jedem Fall sofort die jeweils angebrachte Hilfestellung zu geben vermag?), haben wir das im Schreiben skizzierte Angebot entwickelt:
Diese Information wird den Lehrkräften rückgemeldet nicht, um Kinder in irgendwelche Schubladen zu stecken oder um Lehrer oder ganze Schulen einem äußeren Vergleich zu unterziehen. Vielmehr möchten wir, zusammen mit einer Fülle anderer Materialien und Informationen, den Lehrern die Chance geben, sich viel mehr auf die inhaltliche Seite des Unterrichts zu beziehen, als dies bisher möglich gewesen ist. Die altbekannte Forderung von Individualisierung und innerer Differenzierung muß so kein weltfremder Anspruch bleiben, an dem man im Schulalltag ständig zu scheitern droht. Anstatt sich also selbst als Versager zu empfinden, weil man einem durchaus legitimen Anspruch nicht nachzukommen vermag (wie dies leider bei Lehrern oft der Fall ist, sofern sie nicht gleich als "faule Säcke" tituliert werden), soll mit unserer Hilfe Lehrern Anhaltspunkte für eine gezielte Förderung einzelner Kinder wie der gesamten Klassen gegeben werden.
Gleichzeitig sehen wir diese Kooperation mit den Schulen auch als einen wichtigen Schritt in die Richtung an, Schulen die Mittel in die Hand zu geben, ihre "Schulqualität" selbst steuern zu können. Dies ist für alle Beteiligten viel befriedigender und effektiver als eine von oben verordnete Verschärfung von Maßstäben.
Heranführung der Schulen an das digitale Zeitalter
Auch wenn dieser erste Schritt einer differenzierenden Ermittlung der Rechtschreibleistungen seitens der Schulen nicht die Verfügung über Computer bedingt die gesamte Analyse findet bei uns statt -, vefolgt unser "Open End"-Projekt gleichwohl die forcierte Integration der modernen Techniken in die Schulen. Dies wird Gegenstand der zweiten Phase sein, die demnächst hier konkreter dokumentiert wird (vgl. hierzu die allgemeine Stoßrichtung, wie sie im Beitrag "Schöne Neue Lernwelt" angedeutet wird).
Auf diese Weise wollen wir dazu beitragen, daß das riesige Potential, das in den Neuen Medien schlummert, sukzessive und engagiert erschlossen wird: durch eine vernünftige Verknüpfung von den Möglichkeiten der neuen Medien mit inhaltlichen Anliegen.
Daß dies zugleich auch bedeutet, daß die Aus- und Fortbildung von Lehrern unter neuem Vorzeichen in Angriff genommen werden muß, versteht sich eigentlich von selbst. Aus diesem Grund werden wir all den Schulen, die mit uns kooperieren möchten, eine umfassende Hilfestellung anbieten, die das systematisieren soll, was wir in den vergangenenen Jahren punktuell gemacht haben.
Unter anderem geht es dabei um:
Das Angebot, sich an diesem Projekt zu beteiligen, ist dabei keineswegs nur auf die hiesige Region beschränkt. Auch ist das Fach Deutsch "nur" der Einstieg in eine "unendliche Geschichte". Wer sich auf irgendeine Weise hieran beteiligen möchte, ist hiermit herzlich eingeladen.
Münster, im November 1998
Prof. Dr. Friedrich Schönweiss und sein Team