Ob die lautstarke Skandierung einer „Lügenpresse“ oder die Unterstellung der Produktion von „fake news“: Massenmedien erscheinen seit geraumer Zeit umstrittener denn je. Das Ringen um Deutungshoheit hinsichtlich einer massenmedial vermittelten „Wahrheit“ und „Wirklichkeit“ ist jedoch keineswegs neu: Vielmehr wurden diese auch in früheren Zeiten zu Propagandazwecken instrumentalisiert oder wurden dezidiert als Ausprägungen einer pluralen, selbstreflexiven Demokratie verstanden. Besonders eindrücklich zeigt sich deren Rolle im Kontext des Systemwettkampfes beider deutschen Staaten im Kalten Krieg. Die Verbalisierung und Visualisierung bestimmter tagesaktueller Gegenstände war höchst unterschiedlich und erklärt sich aus den Funktionen von Massenmedien im jeweiligen gesellschaftlichen und politischen System. Die Übung widmet sich damit der Bedeutung und Ausdifferenzierung des Mediums „Tageszeitung“ im geteilten Deutschland und fragt nach deren Folgen bis in die unmittelbare Gegenwart. Neben der historischen Entwicklung verschiedener Leitmedien im Hinblick auf ihre Erscheinungsform, Charakteristik, Verbreitung, Nutzung und Wirkung soll insbesondere die Bedeutung und Problematik dieser Quellen für die geschichtswissenschaftliche Arbeit beleuchtet werden. Mithilfe des Zeitungs- und Pressearchivs der WWU Münster sollen die Studierenden mit den wesentlichen Methoden und Techniken der Analyse von Zeitungen als historische Quelle vertraut gemacht werden und dabei einen selbst gewählten medialen Gegenstand im deutsch-deutschen bzw. zeitungsübegreifenden Vergleich eigenständig erarbeiten. Für einen Studiennachweis ist neben einer regelmäßigen und engagiert-aktiven Teilnahme das Halten eines Referats erforderlich, das u.a. einen eigenständig bearbeiteten Quellkorpus vorstellen und diskutieren soll. Ein Leistungsnachweis kann durch einen Essay erworben werden.

Kurs im HIS-LSF