Die Eroberung, Plünderung und völlige Zerstörung der Stadt Magdeburg am 20. Mai 1631 durch die kaiserlich-katholischen Truppen war eines der Schlüsselereignisse des Dreißigjährigen Krieges. Selbst unter den an Grausamkeit nicht armen Geschehnissen des Krieges war dieses Ereignis beispiellos. In zahllosen Flugblättern, Briefen, Lebensbeschreibungen auch einfacher Leute, Schrift- und Bildquellen aller Art hat es seinen Niederschlag gefunden. In der Geschichtsschreibung ist kontrovers diskutiert worden, wer schuld war an dem verheerenden Brand und welche Rolle die Einnahme der Stadt für den Kriegsverlauf spielte. Jüngere Historiker interessieren sich dafür, weil man daran sehr gut erforschen kann, wie die verschiedenen Beteiligten – Männer und Frauen, Soldaten und Einwohner, Betroffene und Beobachter – damals einen solchen Gewaltexzess wahrnahmen. Das Ereignis eignet sich daher als Exempel, um grundlegende Fragen und Methoden der Geschichtswissenschaft zu veranschaulichen und selbst durchzuspielen: Wie lässt sich ein solches Geschehen rekonstruieren? Welche Regeln der Quellenkritik sind zu befolgen? Wie lässt sich die Wahrnehmung der Zeitgenossen fassen? Wie veränderte sich die Darstellung des Ereignisses in der Geschichtsschreibung und warum? Was interessiert uns heute noch an diesem Ereignis?

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