VERANSTALTUNGEN
MITTENDRIN

 
Die Präsenz der Stifter in der Altniederländischen Kunst
Studientag, 21. Juni 2002 
(Hörsaal 0.44 der Hüfferstiftung, Hüfferstr. 27, 48149 Münster)

PROGRAMM

14.30 Begrüßung und Einführung

14.45 Iris Grötecke (Bochum)
Bildpositionen von Stiftern und Stifterinnen zwischen Repräsentation und Devotion

15.30 Barbara Welzel (Dortmund)
Mittendrin und dicht davor. Stifterbilder und Stifter

16.15 Thomas Lentes (Münster)
Stifter beten - Beter stiften

17.00 Kaffeepause

17.30 Ann-Sophie Lehmann (Utrecht)
Beten für einen himmlischen Leib. Körperlichkeit und Nacktheit in frühniederländischen Stiftungen am Beispiel des Genter Altars

18.15 Heike Schlie (Münster)
Die Beherbergung des Corpus Christi: Der Stifter als Gastgeber

19.00 Schlussdiskussion
 

Ziel des Studientages ist, auf der Basis von Kurzvorträgen eine Diskussion über den zunehmenden Eingang der "individuellen Person" in die Bildwelt des 15. Jahrhunderts zu eröffnen. Welche Funktion hat das Bildnis bzw. das Abbild von zeitgenössischen Personen? Das Hauptaugenmerk liegt auf den prominenten Beispielen der sogenannten Stifterbilder der altniederländischen Malerei, in denen sich Merkmale der "ordinären" Stifterbilder und des "autonomen" Porträts zu kreuzen scheinen.

1994 formulierte Wolfgang Schmid, dass ein methodischer Zugriff fehle, die mediale Bedeutung von Stifterbildern umfassend zu erklären. Seither ist die Forschung nicht nur um Aspekte der religiösen und rechtshistorischen Bedeutung dieser Bildnisse bereichert worden, auch die Literatur zur Entstehung des Privatporträts hat die Diskussion um das säkulare und sakrale Funktionsspektrum von Bildnissen erweitert. Ihr Zusammenhang jedoch ist selten diskutiert worden. Wie sind das Bedürfnis nach weltlicher und religiöser Memoria, der Wunsch nach Selbstpräsentation im sozialen Gefüge, rituelle Selbstreflexion, Identitätsstiftung und Selbstvergewisserung, Stellvertreterfunktionen, juristische Beurkundung von Stiftungen, die Dokumentation der Devotionshaltung, virtuelles Pilgern zu den Heiligen Stätten, die Formulierung einer Heilsgewissheit etc. gewichtet? Welche Rolle spielt die gleichzeitige Bildwerdung der Lebenswirklichkeit und des unmittelbaren Umfeldes der Betrachter, Stifter, Donatoren, Auftraggeber, Bildbenutzer etc.? Welche Beziehung besteht zu Inschriften und Wappen, die ebenfalls die Präsenz von Personen und Familien an einem Bildort gewährleisten? Diesen und weiteren Fragen soll vornehmlich aus der Perspektive der Bildpraxis nachgegangen werden.