Kanon 3

Forschungsgruppe Kulturgeschichte und Theologie des Bildes im Christentum

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Opfermesse
Hochgebet
1: Präfation
2: Kanon
- 2.1: Te igitur
- 2.2: Memento (Lebendengedächtnis)
- 2.3: Communicantes
- 2.4: Hanc igitur
- 2.5: Quam oblationem
- 2.6: Qui pridie
- 2.7: Unde et memores
- 2.8: Supra quae
- 2.9: Supplices te rogamus
- 2.10: Memento (Totengedächtnis)
- 2.11: Nobis quoque peccatoribus
- 2.12: Per ipsum

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KANONGEBRÄUCHE

GENESE

Vom öffentlichen Hochgebet zum exklusiven Eintritt ins Allerheiligste

Im Übergang von der Alten (römischen) zur mittelalterlichen (fränkischen) Kirche verwandelte sich der ursprünglich laut auf einem schlichten Rezitationston gebetete canon actionis in ein Stillgebet, das exklusiv dem Zelebranten vorbehalten war: Surgit solus pontifex et tacito intrat in canonem - Allein der Pontifex betritt schweigend den Kanon. Es gibt sogar Hinweise auf ein zumindest im übertragenen Sinne zu verstehendes vollkommenes Verbergen des Priesters: In quibusdam ecclesiis ... quasi tegitur et velatur (Durandus IV, 39,1).
Damit wurde dieses ursprünglich öffentliche und allgemeine Gebet mit Blick auf Wandlung und Opfer einer Arkandisziplin unterworfen und in seiner herausragenden Heiligkeit (bzw. die besondere Heiligkeit der damit verknüpften sakramentalen Akte) betont:
Die Gebetsfolge des Kanons bezeichnet jetzt den Eintritt in das Allerheiligste, der stellvertretend nur noch einem Kleriker gestattet ist. In frühmittelalterlichen Missalen wurden Apologien eingeschaltet, die die Unwürdigkeit des Eintretenden betonen oder Gottes Hilfe erflehen sollten (z.B. Missa Illyrica, Martène 1736/38 I, 512E; Sakramentar von Moissac, Martène 1736/38 I, 539E). Üblich war an dieser Stelle gelegentlich auch eine Händewaschung. Die Versammlung kniete nieder oder verbeugte sich (an Sonn- und Festtagen).
In Kirchen des 11. und 12. Jh. schaltete sich unter Umständen die Schola ein, und sprach - sozusagen als Reaktion auf das vorausliegende Sign Link Orate fratres - für den Zelebranten Psalmen. So konnte sich ein förmliches Offizium über das leise Kanongebet des Zelebranten legen.

Irdische Liturgie - himmlische Liturgie

Zum äußeren Zeichen dienten u.a. auch eine Klerikerprozession mit Wachsfackeln, die sich im Pontifikalamt symmetrisch um den Altar verteilten. Weiter postierte man in einzelnen Kirchen Kleriker paarweise links und rechts vom Altar, wo sie das Weihrauchfass schwangen. Ebenfalls setzte sich ab dem 13. Jh. an vielen Orten der Brauch durch, eine so genannte Sanctuskerze zu entzünden.
Diese Riten dienten nicht allein dazu, den Geheimnischarakter der Kanonhandlung zu verstärken oder gar erst zu produzieren. Vielmehr dürfte auch hier die Vorstellung von einer das himmlische Geschehen abbildenden irdischen Liturgie leitend gewesen sein: Wie die himmlische Hierarchie der Engel sich um den Thron Gottes versammelte, so versammelte sich die kirchliche Hierarchie um den irdischen Altar.

Ritus - Körper- und Gebetshaltungen

Priester

Bis im 13. Jh. die Sign Link Elevation, also das Erheben der konsekrierten Hostie, gebräuchlich wurde, vollzog sich der Kanon weitgehend ohne erkennbare äußere Handlung: Der Priester nahm die Orantenhaltung ein, bestenfalls sah die Gemeinde Verbeugung, Altarkuss und Kreuzzeichen über den Gaben.

Armhaltungen

Zeitweise hat der Priester die Arme beim Sign Link Communicantes (Heiligengedächtnis) stärker erhoben, gleichsam der triumphierenden Kirche entgegen. Nach der Wandlung war es weit verbreitet, die Arme bis zur Kreuzesform auszustrecken. Beim Sign Link Supplices (Gemeinschaft mit dem himmlischem Altar) wurden dagegen die Arme vor der Brust gekreuzt: Auch äußerlich sollte sich der Priester im erinnernden Nachvollzug der Passion in denjenigen hineinverwandeln, den er verkörperte: Christus.

Verbeugungen

Während sich der Priester ursprünglich nur beim Sanctus zusammen mit dem übrigen Klerus verbeugte, schaltete die fränkische Liturgie weitere Verbeugungen ein: Zum Sign Link Supra quae (Annahmebitte) oder doch zumindest beim Sign Link Supplices. Wegen der textlichen Analogien ergab sich auch beim Sign Link Te igitur (Segensbitte) eine weitere Verbeugung. War dieser Ritus im 13. Jh. fest etabliert, so finden sich hier zum vorbereitenden Ausbreiten und Schließen der Hände sowie zum beschließenden Altarkuss noch keine Hinweise.

Kreuzzeichen

Gleich nach der Sanctus-Verbeugung schlug der Priester drei Kreuzzeichen über den Gaben. Diese ältesten Kreuzzeichen lassen sich erstmals im 8. Jh. nachweisen. Weitere Kreuzzeichen, die ebenfalls im 8. Jh. gebräuchlich wurden, erfolgten beim Sign Link Quam oblationem (Wandlungsbitte), im Sign Link Einsetzungsbericht (Qui pridie), im Sign Link Unde et memores (Gedächtnisvollzug) und im Per quem haec omnia. Etwas später kamen noch die Kreuzzeichen bei der Sign Link Schlussdoxologie (Per ipsum) in Übung. Um 900 ist von den sex ordines crucium die Rede. Jünger sind die Kreuzzeichen beim Sign Link Supplices und zum Sign Link Pax Domini.

Ursprünglicher Sinn der Kreuzzeichen war der Hinweis auf das Kreuzesopfer und eine Segenshandlung, die auch sonst an die Stelle der zuvor üblichen Handauflegung getreten war. Dafür spricht auch die Verknüpfung mit Worten wie benedixit (Wandlung), benedictam, adscriptam, ratam, sanctificas, vivificas, benedicis. Auch wurden damit bestimmte Worte hervorgehoben, so ut nobis corpus et sanguis fiat (Wandlung) oder bei den fünf Kreuzzeichen im ersten Gebet nach der Wandlung, weiter bei hostiam puram, hostiam sanctam, hostiam immaculatam, panem sanctum vitae aeternae, calicem salutis perpetuae.
Weiter hat man Kreuzzeichen über den konsekrierten Gaben gesetzt, so im Supplices bei corpus et sanguinem. Hier wirkten offenbar rhetorische Elemente wie die Begleitung der Rede durch weisende Gesten in stilisierter Form fort. Die ursprünglichen Zeige-Gebärden sind im Mittelalter in sakrosankte kultische Handlungen ausgeronnen: zu Kreuzzeichen über Worten und Gaben, die dort, wo sie sich mit der Annahmebitte verbanden, zum Oblationsgestus wurden. Das nunmehr feststehende Ritual bedurfte der Erklärung, um verständlich zu sein.

Da sich nun die Belehrung der Laien vor allem auf diese auch für sie zumindest in Umrissen erkennbare Zeichenhandlung bezog, nahm die Deutung der Kreuze entsprechenden Raum in den Messerklärungen seit dem 9. Jh. ein: So symbolisieren die sex ordines crucium in der Expositio der Missa multis die Beziehung der sechs Weltzeitalter zum Kreuz Christi; in allen 30 Kreuzen der Messe sahen andere Ausleger die 30 Wunder des Erlösungswerkes angedeutet. Mitunter wurde das Maß des Kreuzzeichens zum mimetischen Bedeutungsträger nach der Formel: Kurzes Kreuz, kurze Marter, langes Kreuz, lange Marter (Berthold von Regensburg). Rupert von Deutz und Innozenz III. brachten Momente aus der Passion Christi mit ihnen in Verbindung. Auch Mischungen von zahlensymbolischen und heilsgeschichtlichen Deutungen kamen vor.

Gemeinde / übriger Klerus

Die Orantenhaltung galt ursprünglich auch für die assistierenden Kleriker und die Laien, bis Verbeugen und Niederknien an ihre Stelle traten.





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Literatur: Jungmann 1962 II, 173-185.


 
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