JuS Trainer Immobiliarsachenrecht



Im Herbst 2000 ist im Verlag C. H. Beck das neuartige Lernprogramm "JuS Trainer Immobiliarsachenrecht" auf CD-ROM für Jura-Studenten erschienen. Das Programm ist von einem Projektteam der zivilrechtlichen Abteilung des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht der Universität Münster unter der Leitung von Prof. Dr. Thomas Hoeren in zweijähriger Arbeit entwickelt worden. Es verschafft Jura-Studenten die Möglichkeit, das Immobiliarsachenrecht, welches von Studierenden als sehr trocken und nur schwer zugänglich eingeschätzt wird, praxisnah zu erlernen.

Das Lernprogramm stellt das notwendige Wissen zur Erlernung des Grundstückssachenrechtes auf verschiedenen Lernebenen dar. Auf einer sogenannten Praxisebene wird eine durchlaufende Geschichte erzählt, die den roten Faden des gesamten Immobiliarsachenrechts darstellen soll. Der Programmbenutzer begleitet den virtuellen Studenten Justus J. bei dessen Weg, eine Immobilie zu erwerben. Die tatsächlichen Abläufe bei einem Grundstückskauf werden praxisnah dargestellt. Naturgemäß enthält diese Ebene zahlreiche multimediale Elemente. Durch Frage-Antwort-Spiele, Lückentexte, animierte Grundbucherläuterungen, Videosequenzen, integrierte Fotos und eine spannende Rahmenhandlung wird dem Studenten der Lernstoff veranschaulicht.

In das Lernprogramm ist ein Lehrbuch eingebunden, welches eigens für das Programm geschrieben wurde. Auf der Lehrbuchebene wird das Sachgebiet in klassischer, wissenschaftlich-nüchterner Form präsentiert. Das Programm prüft den Lernerfolg am Ende jedes Kapitels durch Kontrollfragen. Der Studierende findet zudem Schemata mit den wichtigsten Prüfungspunkten, die bei der Bearbeitung sachenrechtlicher Fälle von Juristen zu beachten sind. Von besonderer Bedeutung ist, daß das Gelernte sofort anschließend eingeübt werden kann, um einen nachhaltigen Lernerfolg zu erzielen. Daher sind zahlreiche Übungsfälle mit verschiedenem Schwierigkeitsgrad (Einsteiger bis Examenskandidat) vorhanden. Diese vier Ebenen werden durch im Volltext zur Verfügung gestellte Gesetzestexte und Rechtsprechungen ergänzt. Damit entfällt die von vielen als lästig empfundene Suche von Urteilen und Normen in Bibliotheken bzw. in Gesetzessammlungen.

Der besondere Clou des Lernprogrammes ist, daß jederzeit ein Wechsel zu einer anderen Ebene möglich ist. Der Student, der sich beispielsweise auf der Praxisebene im Grundbuchamt befindet, kann also durch einfaches Anklicken der betreffenden Ebene das entsprechende, inhaltlich passende Lehrbuchkapitel aufrufen oder einen zum soeben bearbeiteten Abschnitt passenden Übungsfall anwählen.

Der "JuS Trainer Immobiliarsachenrecht"ist sofort nach dem Erscheinen vom Fachpublikum mit großem Interesse aufgenommen worden. Ein Grund dafür ist sicherlich, daß das Programm nicht "am grünen Tisch" entworfen wurde, sondern daß es zunächst in einer Evaluationsphase auf Herz und Nieren getestet wurde. Dabei konnten die Anregungen aus der Studentenschaft unmittelbar vom Projektteam in das Programm eingearbeitet werden.

Beckmann, K., Hilderink, B., Hoeren, T., Schüngel, M.:
JuS Trainer Immobiliarsachenrecht; Beck Lern CD; München 2000, ISBN 3-406-46695-8, 48.00 DM.

Projekt PISA - Praxisnahes Immobiliarsachenrecht

Gefördert durch das Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen

Projektbeschreibung:

Im Rahmen des Projektes ¨Interaktive Medien¨ arbeiten Martin Schüngel, Berthold Hilderink und Kirsten Beckmann an einer CD-ROM zum Immobiliarsachenrecht. Das Immobiliarsachenrecht ist bei Jura-Studenten gemeinhin als trocken und als nur schwer zugänglich verschrieen. Dies liegt zum einen an dem hohen Abstraktionsgrad der Vorschriften des Immobiliarsachenrechts, zum anderen daran, daß nur die wenigsten Studenten einen Praxisbezug zu diesem Rechtsgebiet herstellen können. Einen Kaufvertrag hat schon jeder einmal geschlossen, einen Mietvertrag die meisten und auch mit Werk- oder Darlehensverträgen haben einige Studenten erste Erfahrungen gemacht.

Ein Haus- oder Grundstückskauf ist für die Masse der Studierenden jedoch Niemandsland. Angesichts drohender Studiengebühren, erdrückender BaföG-Schulden und ruinöser Ausgaben für die zahlreichen Ergänzungslieferungen für das juristische Handwerkszeug wird sich kaum ein Student dazu veranlaßt sehen, eine Immobilie zu erwerben. Mangels belastbaren Eigentums wird er auch kaum je eine Hypothek bestellt haben. Schwierig ist es mithin für ihn, sich eine Vorstellung von den Abläufen im Grundbuchamt, beim Notar und bei den Banken zu machen.

Mit dem interaktiven Lernprogramm zum Immobiliarsachenrecht auf CD-ROM sollen diese Schwierigkeiten nunmehr aus dem Weg geräumt werden. Dem Studenten wird mit dem neuen Lernmedium das notwendige Rüstzeug an die Hand gegeben, um praxisnah das Immobiliarsachenrecht zu erkunden.

Die Software ist erschienen im C. H. Beck-Verlag, ISBN 3-406-46695-8.

Ergänzend zu diesem Bereich arbeitet an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf der Lehrstuhl Noack zum Bereich des Mobiliarsachenrechts.


Eule - Entwicklungsumgebung für juristische Lernsoftware



eule logo

Bei vielen Multimedia-Systemen, die häufig als Forschungsprojekte entwickelt wurden, stellt sich einige Zeit nach Abschluß des Projekts heraus, daß eine Wartung außerordentlich schwierig ist. Es werden daher nur wenige Systeme dauerhaft eingesetzt und gepflegt. Viele verschwinden vielmehr häufig "im Schrank" (sog. "Schrankware"). Bei diesen wurde häufig zugunsten einer schnellen Systementwicklung die Ablauflogik mit den darzustellenden Inhalten gemischt und im gesamten System "verstreut" abgelegt. Nach Abschluß des Forschungsprojekts und dem Ausscheiden der beteiligten Mitarbeiter ist häufig niemand mehr in der Lage, inhaltliche Änderungen am System vorzunehmen, da hierfür ein Eingriff in die interne Programmstruktur notwendig wäre. Zudem können die Prototypen wegen des mangelnden Augenmerks auf Wiederverwendbarkeit auch nicht als Basis für die Nutzung in einem anderen Themenbereich dienen.

Im vorliegenden System wurde zur Vermeidung dieses Problems ein 2-Schichten-Ansatz gewählt und eine Trennung zwischen der Datenbank mit den darzustellenden Inhalten und der Präsentationsebene mit der Interaktionslogik vorgenommen. Damit wird eine Unabhängigkeit der Anwendung von den Daten und umgekehrt sichergestellt. Die Datenbasis kann weiterentwickelt bzw. gepflegt werden, ohne am eigentlichen System Änderungen durchführen zu müssen. Das Produkt kann damit nach Projektabschluß aus der Verantwortung der Programmierer entlassen werden; Anpassungen (z.B. durch neue Rechtsprechung) sind durch Juristen ohne besondere EDV-Kenntnisse möglich.

Durch das Konzept einer derartigen "Lernsoftwareshell" wird zudem eine einmal erstellte Umgebung leicht auf andere Themengebiete übertragbar.

Daher wird zusätzlich eine allgemeine Entwicklungsumgebung für juristische Lernsoftware (Eule) entwickelt. Sie soll es juristischen Lehrstühlen ermöglichen, ohne eigene Programmierungen hypermediale Lernsoftware für juristische Sachverhalte zu entwickeln.


Veröffentlichungen:



Ansprechpartner ist Prof. Dr. Thomas Hoeren oder Dipl.-Wirt. Inform. Martin Schüngel