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> Prof. (em.) Dr. Heinz Holzhauer, „Vom juristischen Aussterben des deutschen Hochadels“, 9.3.2016

Professor HolzhauerAm Mittwoch, den 9. März 2016, sprach Prof. (em.) Dr. Heinz Holzhauer zum Thema „Vom juristischen Aussterben des deutschen Hochadels“. Auf Einladung der Juristischen Studiengesellschaft fanden sich ca. 40 Interessierte im Haus der Niederlande ein, um dem spannenden Vortrag zu folgen. Manfred Koopmann, Vorsitzender der Juristischen Studiengesellschaft Münster, begrüßte die Anwesenden und stellte den Referenten vor.

 

Übersichtsfoto Holzhauer VortragUm dem Auditorium eine Vorstellung von der Problematik zu verschaffen, begann der Vortragende mit der Darstellung des Falls Wettin. § 6 der Verfassungsurkunde für das Königreich Sachsen regelte die Thronfolge im Hause Wettin Albertinische Linie dahingehend, dass der erstgeborene männliche Nachkomme des Inhabers die Krone nach dessen Tod erlangen sollte. Eine weitere Bedingung hierfür war allerdings, dass dieser Nachkomme aus ebenbürtiger, d.h. standesgleicher, Ehe hervorgegangen war. Anhand eines Stammbaumes erläuterte der Vortragende die familiären Beziehungen im Hause Wettin Albertinische Linie und führte in die besondere Problematik des Falles ein: Der einst rechtmäßige Inhaber der Krone, Markgraf Maria Emanuel von Meißen, verstarb kinderlos im Jahr 2012. Sein Bruder, Markgraf Albert, folgte ihm im selben Jahr. Als Thronfolger kam nunmehr einzig Prinz Rüdiger in Frage, der allerdings aus nicht ebenbürtiger Ehe hervorgegangen war. Der Referent ging sodann der juristisch anspruchsvollen Frage nach, ob dies tatsächlich zur Folge habe, dass dieser nicht die Thronfolge antreten konnte und die Albertinische Linie damit erloschen wäre, was er im Ergebnis verneinte.

 

Beckmann und HolzhauerNachdem Professor Holzhauer auch die historischen Hintergründe des Prinzips der Ebenbürtigkeit erläutert hatte, schlug er eine Brücke in die Gegenwart zur Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts. Dieses hatte sich im Jahr 2004 mit der Zulässigkeit einer letztwilligen Verfügung unter der Bedingung der ebenbürtigen Eheschließung des Begünstigten zu beschäftigen und entschieden, dass die Eheschließungsfreiheit des Begünstigten durch eine solche Bedingung unangemessen beeinträchtigt werde.

Im Anschluss an den Vortrag bestand die Möglichkeit, das Thema im Plenum zu diskutieren. Es entstand eine lebhafte Debatte, die sich vor allem um die vom Bundesverfassungsgericht behandelte Problematik drehte. Bei einem Glas Sekt ließen die Teilnehmer die gelungene Veranstaltung ausklingen.