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> Prof. (em.) Dr. Bodo Pieroth, „Michael Kohlhaas: Terrorist oder Kämpfer für Recht?“, 22.6.2015

IMG_1253Am Montag, den 22.6.2015, trafen ca. 50 interessierte Zuschauer zusammen, um im Haus der Niederlande auf Einladung der Juristischen Studiengesellschaft Münster dem Vortrag von Prof. (em.) Dr. Bodo Pieroth zum Thema „Michael Kohlhaas: Terrorist oder Kämpfer für Recht?“ zu folgen.Nach einer kurzen Begrüßung und Vorstellung des Referenten durch Prof. Dr. Thomas Hoeren führte Prof. (em.) Dr. Pieroth die Zuhörer mit einer kurzen Inhaltszusammenfassung des Werks „Michael Kohlhaas“ von Heinrich von Kleist aus dem Jahre 1810 in die Materie ein.

Vorbild für diese Novelle war Hans Kohlhase, der im 16. Jahrhundert lebte und von Beruf Pferdehändler war. Unter dem Vorwand, dass er zum Passieren einen Passierschein vorweisen müsse, wurden ihm von einem Junker zwei Rappen als Pfand abgenommen. Nachdem sich herausgestellt hatte, dass er keinen solchen Schein benötigte, kehrte er zurück und fand seine Rappen in einem klapperigen Zustand vor. Er begehrte deshalb Schadensersatz von dem Junker, allerdings wurde ihm die gerichtliche Durchsetzung dieses Verlangens aufgrund einer Intrige verwehrt. Daraufhin versuchte er, seinem Anliegen im Wege der Selbstjustiz Gehör zu verschaffen, wobei er stets die Einheit der geltenden Rechtsordnung und nicht die Zerstörung dieser begehrte.

Im Anschluss an die Vorstellung der Geschichte des Michael Kohlhaas erläuterte Prof. (em.) Dr. Pieroth die juristischen Probleme dieser Situation. Dabei konzentrierte er sich auf die Darstellung der Problematik der Rechtsverweigerung und der Mittel, die einer Person zustehen, wenn der Rechtsweg erschöpft ist. Unter anderem griff er erläuternd auf die unterschiedlichen Theorien zum Gesellschaftsvertrag zurück. Professor Pieroth stellte heraus, dass von Kleist die Notwendigkeit von Reformen des damaligen Rechts in den Vordergrund rückte und eine Revolutionsgefahr im Falle von deren Ausbleiben sah.

Abschließend ordnete der Referent das Geschehen in das heutige Rechtssystem ein. Er betonte, dass die eigenmächtige Durchsetzbarkeit von Ansprüchen heute aufgrund der Rechtsstaatlichkeit in der Ausprägung des allgemeinen Justizgewährungsanspruchs nicht mehr möglich sei. Die Gesprächsrunde endete mit einer angeregten Diskussion unter der Moderation von Herrn Manfred Koopmann, Präsident des Verwaltungsgerichts Münsters, in der sich die Fragen sowohl historischen Aspekten als auch juristischen Zusammenhängen widmeten. Ihren Ausklang fand die Veranstaltung mit dem traditionellen Sektempfang.

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