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Bericht zum Vortrag von Prof. Dr. Nils Jansen am 31. März 2011

Am 31. März 2011 lud die Juristische Studiengesellschaft Münster zu einem Vortrag von Herrn Prof. Dr. Nils Jansen. Das Thema des Vortrags lautete: „Nichtlegislative Kodifikationen – Ein Blick auf das Exzellenzcluster Religion und Politik“. Die Einladung der Juristischen Studiengesellschaft führte zahlreiche interessierte Zuhörer in die Räumlichkeiten der Bibliothek im Haus der Niederlande.

Nach einer kurzen Begrüßung durch Herrn Prof. Hoeren, gewährte Herr Prof. Jansen, Inhaber des Lehrstuhls für Römisches Recht und Privatrechtsgeschichte an der Universität Münster, den Zuhörern  einen Einblick in seine wissenschaftliche Arbeit.

Zu Beginn seines Vortrags erläuterte Prof. Jansen den Begriff der „Nichtlegislativen Kodifikationen“. Dabei handele es sich um das Recht jenseits der Gesetzestexte. Dieser Begriff umfasse somit alle Rechtssätze, Urteile mit Präjudizcharakter und andere vergleichbare Arten von Quellen, die von Prof. Jansen als „Autoritäten“ bezeichnet wurden. Dies gelte etwa für die Principals of European Contract Law, sowie für den corpus iuris civilis. Prof. Jansen hob hervor, dass keine dieser „Autoritäten“, auf die er sich beziehe, auf der Autorität eines Staates beruhten. Dies stehe in einem scheinbaren Widerspruch zu dem Verständnis des Begriffs des „Rechts“.

Im weiteren Verlauf seines Vortrags beschrieb Prof. Jansen die so genannten „Autoritätsfaktoren“, die darüber entschieden, ob eine Rechtsgesellschaft einer bestimmten Textquelle „Autorität“ zuweist. Diese abstrakten Faktoren ließen sich in zwei Kategorien untergliedern. Erstens in solche, die die Situation des Rechts betreffen. Ein solcher Faktor ergebe sich in diesem Zusammenhang vor allem aus dem Umstand, dass ungeordnetes Recht die Anerkennung der Autorität von neuen geordneten Texten bewirke. Zweitens existierten Autoritätsfaktoren die die Quelle selbst betreffen. Solche seien etwa die Legitimität und Transparenz der Normsetzung, die Autorenschaft sowie die Prägnanz und Form des Textes.
Abschließend zeigte sich Prof. Jansen überzeugt, dass „Nichtlegislativen Kodifikationen“ in der aktuellen Entwicklung des Rechts wieder eine größere Bedeutung zukomme. Er plädierte für einen besonders wachsamen Umgang mit diesen Texten.

Im Anschluss an den Vortrag folgte eine kontroverse Publikumsdiskussion. Besonderes Interesse galt dabei dem Fazit des Redners.

Der Abend schloss mit einem Sektempfang, wo die Zuhörer sich nochmal intensiv mit dem Redner austauschen konnten.