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> Gedenkveranstaltung zu Ehren von Dr. Rolf Krumsiek (NRW-Justizminister 1985-1995)

Am Abend des 31.10.2012 setzte sich die Veranstaltungsreihe der Juristischen Studiengesellschaft Münster mit einer besonderen Gedenk- und Vortragsveranstaltung zu Ehren von Dr. Rolf Krumsiek, Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen von 1985-1995, in den Räumlichkeiten der Bezirksregierung Münster fort. Redner waren Dr. Michael Bertrams, Präsident des Verfassungsgerichtshofs und des Oberverwaltungsgerichts für das Land Nordrhein-Westfalen, und Thomas Kutschaty, Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen.

Dr. Bertrams erinnerte in seiner bewegenden Rede an Dr. Rolf Krumsiek, welcher im Jahr 2009 nach schwerer Krankheit verstorben war. Er begann seinen Nachruf mit einer Schilderung des beeindruckenden Werdegangs von Dr. Krumsiek, der nach seinen Tätigkeiten als Städtischer Rat in Hannover, Oberstadtdirektor in Wuppertal und Chef der Staatskanzlei unter Johannes Rau im Jahre 1983 zunächst Landesminister für Wissenschaft und Forschung wurde. In den Jahren von 1985 bis 1995 war er schließlich bis zu seinem Rückzug aus der Politik Justizminister des Landes Nordrhein-Westfalen.

Abb.1 : Dr. Michael Bertrams hielt einen bewegenden Nachruf auf den ehemaligen Justizminister Nordrhein-Westfalens

In Anwesenheit zahlreicher Angehöriger hob Dr. Bertrams die außerordentlichen menschlichen Stärken von Rolf Krumsiek hervor, der Bürgern, Kollegen sowie politischen Gegnern stets mit Rechtschaffenheit, Aufrichtigkeit und Glaubwürdigkeit begegnete. Er beschrieb den Verstorbenen als einen bedeutenden Politiker, der die juristische Profession mit Freude gelebt und die nordrhein-westfälische Justiz wie kein Zweiter geprägt hat. Mit Kompetenz und Leidenschaft erfüllte er nicht nur seine politischen Aufgaben, sondern setzte sich ebenso engagiert für die Krebsforschung und die deutsch-israelischen Beziehungen ein.

Sowohl die in der Politik notwendige Robustheit als auch eine feinfühlige Sensibilität zeichneten einen Mann aus, der es wie kein Zweiter verstand, seine Zuhörer mit lebendigen und anschaulichen Erzählungen zu begeistern. Dr. Bertrams schilderte schließlich, wie Rolf Krumsiek auch angesichts seiner schweren und unerwarteten Krankheit die Gelassenheit, die ihn stets ausgezeichnet hatte, nicht verlor und ihm auch in dieser Zeit die liebevolle Unterstützung seiner Familie sicher war.

Anschließend folgte Herr Kutschaty mit seinem Vortrag, in dem er viele wertvolle und interessante Einblicke in aktuelle Vorhaben der Landesregierung im Bereich der Rechtspolitik gab. Dazu gehörten neben einer klaren Absage an Überlegungen, die Juristenausbildung auf ein Bachelor-/ Mastersystem umzustellen, insbesondere die Ankündigung zweier konkreter Bundesratsinitiativen:

Erstens müsse man angesichts der Unternehmenskriminalität im Land darüber nachdenken, wie man die strafrechtliche Verantwortlichkeit, die bisher auf natürliche Personen beschränkt ist, auf juristische Personen ausweiten könne, ohne dabei den überwiegenden Teil der ehrlich und verantwortungsbewusst arbeitenden Unternehmen unangemessen zu beeinträchtigen.
Zweitens herrsche im Bereich der Abgeordnetenbestechung – jenseits des bereits heute strafbaren Stimmenkaufs – erheblicher Handlungsbedarf.

Abb. 2: Thomas Kutschaty gab interessante Einblicke in aktuelle Themen der Rechtspolitik in NRW

Anschließend bezeichnete Herr Kutschaty in Übereinstimmung mit dem früheren Justizminister Rolf Krumsiek den Strafvollzug als eine der „Dauerbaustellen“ der Arbeit eines Justizministers und wies darauf hin, dass der im Bereich der Sicherungsverwahrung anstehende Beschluss des Bundestages kaum dazu geeignet sei, das Problem umfassend zu lösen.

Nachdem der Vortrag des Ministers beendet war, hatten Zuhörer und Redner noch ausreichend Gelegenheit, sich bei dem anschließenden Sektempfang untereinander auszutauschen und den Abend gemeinsam ausklingen zu lassen.