Tobias zimmermann

  • Projekt


    Die Demokratie gilt unzweifelhaft als einziges legitimes Regierungssystem unserer Zeit. Dennoch werden Effektivität und Legitimität immer stärker in Frage gestellt. Sinkende Wahlbeteiligung und Mitgliederzahlen der etablierten Parteien auf der einen, die Entstehung neuer Protestparteien (Piraten, AfD) und Proteste gegenüber Großprojekten wie Stuttgart 21 und dem BER auf der anderen Seite zeigen Apathie, Zynismus und Protest gegenüber der Politik (vgl. Kersting, Woyke 2012). Ein Mehr an politischer Partizipation gilt in Politik wie Wissenschaft weitestgehend anerkannt als Antwort auf die Herausforderungen moderner Demokratie.
    Effektive Partizipation wird umgesetzt von einer (politisch) aktiven Öffentlichkeit, was sich normativ-theoretisch im Konzept deliberativer Demokratie verwirklicht sieht. Experten sprechen seit den 1990er Jahren von einem „deliberative turn“ (Dryzek 2000) der Demokratietheorie. Die deliberative Demokratie zeichnet sich dadurch aus, normativ anspruchsvolle Diskurse in den Mittelpunkt gesellschaftlich-politischer Entscheidungsfindung zu stellen. Im modernen Nationalstaat ist der gesellschaftliche Diskurs notwendigerweise vor allem massenmedial kommuniziert. Kennzeichnend für die massenmediale Kommunikation ist die klare Trennung zwischen den Medien als Sender und den Individuen als Empfänger von Informationsbotschaften, folglich die Abwesenheit von Interaktion (vgl. Luhmann 2004: 11, 12). Große Hoffnungen setzte die Forschung auf das interaktive Medium Internet, die mit den Web 2.0- oder Social Web-Anwendungen eine Renaissance erleben. Im Zentrum des Dissertationsprojektes stehen deshalb Instrumente individueller Partizipation am massenmedialen Diskurs, die diese Logik durchbrechen und damit aus demokratietheoretischer Perspektive von besonderem Interesse sind: Der klassische Leserbrief und der online-Kommentar auf professionellen Nachrichten-Websites werden als interaktive Arenen für den politischen Diskurs mit massenmedialer Reichweite identifiziert und die sich dort realisierende individualisierte Massenkommunikation analysiert. Die Arbeit steht dazu unter folgenden erkenntnisleitenden Fragestellungen:
    1. Welche demokratietheoretischen Perspektiven ergeben sich durch Leserbrief und online-Kommentar?
    2. Welche Unterschiede und welche Konvergenzen ergeben sich im Vergleich themenzentrierter Diskurse in klassischen und digitalen Medien?
    Das Forschungsdesign basiert auf einem Methodenmix. Im Mittelpunkt steht eine vergleichende quantitative Inhaltsanalyse von Leserbriefen und online-Kommentaren, die im Kontext der empirischen Deliberationsforschung angesiedelt ist. Weiterhin sind qualitative Experten-Interviews mit den Verantwortlichen für Leserbrief und online-Kommentar in ausgewählten Redaktionen geplant.

    Posterpräsentation (vom Tag der GraSP 2013)

  • Forschungsgruppe

    Herr Zimmermann wird von Prof. Dr. Nobert Kersting sowie Prof. Dr. Oliver Treib betreut und ist Mitglied der Forschungsgruppe Urban and Regional Innovation .

  • Werdegang

    seit 2014 Stipendiat der Heinrich Böll Stiftung
    2013 Aufnahme in die Graduate School of Politics (GraSP) der WWU
    2013-2014 Koordinator der Studiengänge BA Public Administration und MA European Studies an der WWU
    2013 Wissenschaftliche Hilfskraft am Institut für Politikwissenschaft, Lehrstuhl für Kommunal- und Regionalpolitik der WWU
    2012 Abschluss des Masterstudiengangs Politikwissenschaft am Institut für Politikwissenschaft der WWU
    2011, 2012 Studentische Hilfskraft als Tutor im GK Vergleichende Politikwissenschaft am Institut für Politikwissenschaft der WWU
    2010 Abschluss des Bachelorstudiengangs Politikwissenschaft an der Universität Bielefeld
    2009-2010 Wissenschaftliche Hilfskraft bei der gaus medien, bildung, politikberatung GmbH
    2007 Abitur am Gymnasium am Waldhof, Bielefeld

  • Publikationen

    • 2014: Zimmermann, Tobias: Explaining deliberativeness. The design of readers’ comments. Paper presented at the Workshop Cooperative Technologies in Democratic Processes - Beyond e-Voting. 11th International Conference on the Design of Cooperative Systems, Nice (France), 27 May 2014
    • 2014: Kersting, Norbert; Zimmermann, Tobias: Online-comments: Deliberative or demonstrative political participation on the internet? In Parycek, Peter; Edelmann, Noella (Eds.) CeDEM 14 Conference for E-Democracy and Open Governement. Proceedings of the International Conference for E-Democracy and Open Governement. Danube University: Krems (Austria)
    • 2011: Ciesinger, Kurt-Georg; Klatt, Rüdiger; Zimmermann, Tobias: Strategien zur Förderung von Kompetenzkommunikation. In: Kurt-Georg Ciesinger, Andrea Fischbach, Rüdiger Klatt, Hartmut Neuendorff (Hrsg.): Berufe im Schatten – Wertschätzung von Dienstleistungsberufen. Entwicklung neuer Modelle und Konzepte einer praxisorientierten Unterstützung. LIT Verlag. Münster
    • 2010: Zimmermann, Tobias: Wissen ist Macht?! Eine Analyse der Debatte zur Thematik wissenschaftliche Politikberatung – Innovation und moderne Arbeit Band 7. gaus – medienbildungpolitikberatung, Kurt-Georg Ciesinger (Hrsg.) Der Andere Verlag. Tönning, Lübeck, Marburg

  • Weiteres

    Lehre:
    Wintersemester 2013/14: Lektürekurs "Democracy reloaded - Der Mythos von der demokratisierenden Wirkung des Internets"