• Projekt

    "Identität und Zugehörigkeit europäischer Muslime – Einfluss der Islamdiskurse auf die Identitätsbildung"


    Die Identität und Zugehörigkeit europäischer Muslime stehen gegenwärtig im Zentrum einer Vielzahl von politischen und gesellschaftlichen Diskussionen um Islam und Integration. Insbesondere die Sichtbarkeit von Muslimen in Westeuropa hat zahlreiche Debatten über ihre Zugehörigkeit entfacht. Die dauerhafte Präsenz religiöser und ethnischer Minderheiten fordert das säkulare Selbstverständnis westeuropäischer Gesellschaften heraus. Die Attentate vom 11. September 2001 und die Londoner Terroranschläge von 2005 haben zusätzlich europäische Muslime in den Fokus der Öffentlichkeit und der wissenschaftlichen Forschung gerückt.
    Gehört der Islam zu Deutschland oder zu Europa? In meinem Dissertationsvorhaben untersuche ich, wie öffentliche Diskurse um Islam und Muslime die Identitätsbildung und Zugehörigkeit der in Deutschland und England lebender Muslime beeinflussen und prägen. Identitäten sind diskursive Konstrukte (Tiesler 2006), sie sind weniger gegebene Fakten, sondern hängen von sozialen Umständen und Beziehungen ab (Roy 2004). Nach George Herbert Mead (1968) ist die Entwicklung der Identität ein sozialer und interaktiver Prozess, der zwischen einem Individuum und der ihn umgebenden Gesellschaft stattfindet. Demzufolge entstehen Identität und Zugehörigkeit muslimischer Minderheiten in Interaktion mit der deutschen und der englischen Mehrheit. Zum einen werden in meinem Forschungsprojekt die jeweiligen nationalen Rahmenbedingungen und die öffentlichen Diskurse skizziert, die oft Haltungen und Einstellungen der Mehrheit gegenüber der Minderheit spiegeln. Zum anderen analysiere ich im kontrastierenden Vergleich die Selbst- und Fremdwahrnehmung sowie die Selbst- und Fremdverortung von Muslimen in den beiden Ländern.
    Das Forschungsdesign ist angelegt auf eine kontrastiv-vergleichende qualitative Studie. Die empirische Datenerhebung erfolgt anhand von offenen, narrativen Interviews, die in London und Berlin durchgeführt werden. Die Datenauswertung basiert auf die Methode der objektiven Hermeneutik und Fallrekonstruktion.

  • Forschungsgruppe

    Das Dissertationsvorhaben wird von Prof. Dr. Rüdiger Robert (Ifpol) und Dr. habil. Christel Gärtner (Exzellenzcluster Religion und Politik) betreut.
    Shazia Saleem gehört der Forschungsgruppe „Werkstatt Nahost“ an.

  • Werdegang

    seit 2009 Promotionsstipendium der Hans-Böckler-Stiftung
    April – Okt. 2009 Wissenschaftliche Hilfskraft beim Exzellenzcluster Religion und Politik
    2008-2009 Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Politisches System der BRD sowie Naher und Mittlerer Osten
    seit 2008 Promotionsstudiengang Politikwissenschaft an der WWU Münster
    Titel der Forschungsarbeit: „Identität und Zugehörigkeit europäischer Muslime“
    2007 Abschluss des Magisterstudiums
    Titel der Magisterarbeit: „Selbstmordattentate als Teil des Terrorismuskonzepts von Hamas und Al-Qaida im Vergleich“
    2002-2007 Studium der Politik, Kommunikations- und Islamwissenschaft an der WWU Münster
    2000-2002 2-jähriges redaktionelles Volontariat bei Sunday Verlags- und Werbe GmbH, ein Unternehmen aus der Verlagsgruppe der Frankfurter Allgemeine Zeitung
    2000 Allgemeine Hochschulreife (Abitur)
    Friedrich-Dessauer-Gymnasium, Frankfurt am Main

  • Publikationen

    Aufsätze:
    Saleem, Shazia: Die Umma – Wandel und Interpretationen eines Gemeinschaftskonzepts. In. Robert, Rüdiger/Schlicht, Daniela/Saleem, Shazia (Hrsg.): Kollektive Identitäten im Nahen und Mittleren Osten – Studien zum Verhältnis von Staat und Religion. Münster 2010. S. 33-55

    Müller, Anna-Catharina/ Saleem, Shazia: Identität durch Recht und Gesetz. In. Robert, Rüdiger/Schlicht, Daniela/Saleem, Shazia (Hrsg.): Kollektive Identitäten im Nahen und Mittleren Osten – Studien zum Verhältnis von Staat und Religion. Münster 2010. S. 253-273

    Saleem, Shazia/ Strehlow, Lena: Das Boot ist voll, darf ich sie schubsen? Ressourcenkampf in der klimawandelnden Welt. In. Journal 360°. Ausgabe 01/2009. S. 48-49

    Editionen:
    Mit Robert, Rüdiger und Daniela Schlicht (2010): Kollektive Identitäten im Nahen und Mittleren Osten. Studien zum Verhältnis von Staat und Religion. Münster / New York / München / Berlin: Waxmann.

  • Weiteres

    Forschungsschwerpunkte und –interessen:

    • Islam
    • Islam in Europa
    • Integrations- und Migrationsforschung
    • Identitätspolitik
    • Islamismus und internationaler Terrorismus
    • Internationale Beziehungen
    • der Nahe und Mittlere Osten

    Tagungsorganisation und Vorträge:
    Nov. 2011: Tagung „Religion-Staat-Zugehörigkeit“ in Kooperation mit der Hans-Böckler-Stiftung und der Graduiertenschule des Exzellenzclusters Religion und Politik (WWU)
    Vortrag: Identität und Zugehörigkeit europäischer Muslime – England und Deutschland im Vergleich

    Juli 2009: Master-Class mit Prof. Dr. Tariq Ramadan (University of Oxford) in Kooperation mit der Graduiertenschule des Exzellenzcluster Religion und Politik (WWU)
    Vortrag: Between Islamic Identity and Islamic Terrorism – Young Muslims in Europe

    Aug. 2009:Vortrag: Between ascribed Identity and own Religiosity – Young Muslims in Europe auf der „International Summer School Religion, Culture and Society” an der KADOC-K.U. in Leuven, Belgien


    Lehrveranstaltung:
    SoSe 2009: Hauptseminar mit M.A. Daniela Schlicht und Prof. Dr. Rüdiger Robert:
    "Nationalstaatliche Identitätskonstruktionen im Mittleren Osten und Nordafrika"; Mi. 10-12 ct.; Raum 120; Institut für Politikwissenschaft;  Scharnhorststraße 100