Erhart Graefe

Weiterarbeit am Stundenritual

Das Stundenritual, für das es bereits eine online Edition gibt, ist ein Ritual, das ursprünglich der ägyptische König im Göttertempel zu vollziehen hatte durch Sprechen oder Singen von Hymnen zum Lobe des Sonnengottes zu Beginn einer jeden der 12 Tagesstunden. Es wurde im Lauf der Jahrhunderte auch zu einem Totentext für zuerst Könige, in der Spätzeit ab dem 8. Jhdt. v. Chr., auch für Privatleute und wurde dann in Gräbern angebracht. Eines dieser Gräber, das des Karachamun, Theben Nr. 223 aus der 25. Dyn., wird seit einiger Zeit im Rahmen des South Asasif Conservation Projekts (Leiterin Dr. Elena Pischikova) bearbeitet (Ausgrabung, Wiederaufbau). Prof. Graefe begann mit Unterstützung der Fritz Thyssen-Stiftung vom 1.8. bis 1.9. 2013 mit der Zuordnung der zahllosen Fragmente der zusammengebrochenen Pfeiler, auf denen sich der Text des Stundenrituals befand.  Er durchsuchte die 20 000 geborgenen hieroglyphischen Fragmente der Gesamtdekoration des Grabes in einem ersten Durchgang auf Zugehörigkeit zum Stundenritual und fotografierte etwa 350 maßstäblich für Weiterarbeit in Münster. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend für die Überlieferungsgeschichte des Textes, der in TT 223 in die "Klasse" Pabasa/Edfu gehört (siehe die Einführung zur online-Version), die dadurch mindestens 100 Jahre älter ist als bisher bekannt. Eine Fortsetzung der Arbeit ist dank einer weiteren Beihilfe der Fritz-Thyssen-Stiftung für Mai 2014 geplant.

Im Mai 2014 wurde die Arbeit wie geplant fortgesetzt.  Dabei konnten wesentliche Teile der Texte für die siebte und achte Stunde wiedergefunden werden und darüberhinaus weitere Stücke für alle anderen Stundentexte. Prof. Graefe hat ca. 1300 kleinere Fragmente bis DIN A4 Größe gescannt und dadurch digitale Abbilder im Maßstab 1:1 gewonnen. Wegen der unregelmäßig gebrochenen und sehr unterschiedlich tiefen Stücke ist das beim Fotografieren im Sandbett wegen der Notwendigkeit des horizontalen Ausrichtens nur schwer und unter großem zeitlichen Aufwand  erreichbar.
Im Dezember 2014 hat die DFG Die Förderung des Projekts für weitere drei Jahre bewilligt.

Die dritte Kampagne in Ägypten hat in Mai/Juni 2015 stattgefunden. Dabei wurden das Scannen und/oder Fotografieren weiterer Fragmente und die direkte Suche nach zusammengehörigen Stücken fortgesetzt. 

Die vierte Kampagne hat Anfang Mai bis Anfang Juni 2016 stattgefunden. Sie wurde, wie die von zehn anderen Grabungsmissionen in Ägypten auch, stark von Strukturänderungen des ägyptischen Sicherheitsapparates beeinträchtigt. Die sog. "security clearance" erfolgte mit beträchtlicher Verzögerung, sodass Prof. Graefe nur in 1/3 der vorgesehenen Arbeitstage in Grab Nr. 223 arbeiten konnte. Entsprechend geringer ist der Zuwachs beim Scannen/Fotografieren weiterer Fragmente des Stundenrituals. Immerhin konnten weitere interessante Stücke identifiziert werden.

Die für Juni 2017 vorgesehene fünfte Kampagne mußte nach 16 Tagen wegen fehlender Arbeitserlaubnis (nach Verhängung des Ausnahmezustands infolge zweier Attentate in Februar und Mai 2017) abgebrochen werden.

Diese Kampagne wurde im Juni 2018 nachgeholt. Die Arbeit konzentrierte sich auf die Durchsicht der zu den ehemaligen Vignetten (Bildreliefs) des Rituals für die Tagesstunden und des für die Nachtstunden gehörigen Fragmente. Von ursprünglichen 12 Bildfeldern für die Tagesstunden können nur vier teilweise wieder zusammengesetzt werden. Das bedeutet vermutlich, dass wesentlich mehr Reliefblöcke und -fragmente in der Neuzeit infolge der Besiedelung der Nekropole von Steinräubern für Abgrenzungs- oder Fundamentmauern ihrer Gehöfte weggeholt wurden. Diese Gehöfte sind 2012 abgerissen worden, aber nur oberirdisch. Um weitere Fragmente aus den Gräbern zu finden, müßten Flächengrabungen der Umgebung durchgeführt (und finanziert) werden.

Die Finanzierung weiterer Arbeit ist von der DFG für die Jahre 2019 und 2020 bewilligt worden. Die Kampagne, die 2020 hätte stattfinden sollen, mußte wegen Covid 19 ausfallen, ebenso 2021. Sie soll im August 2022 nachgeholt werden.

Über die aktuelle Arbeit im Rahmen des South Asasif Conservation Project kann man sich hier informieren.

 

 

 

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