Angelika Lohwasser

Interregional Linkage Investigations in Northern Kordofan (InterLINK)

Die Beziehungen zwischen den antiken und mittelalterlichen Kulturen des nubischen Niltals und den zeitgleichen, vor allem eisenverarbeitenden Kulturen des Tschadbeckens und der übrigen Sahel-Region ist seit längerem Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen. Ein neues Licht auf die Einbindung der Kulturen des Nubischen Niltals in eine in Ost-West-Richtung verlaufende Kontaktzone werfen Entdeckungen, die in den Jahren 2011 und 2017 durch die geplante Felddirektorin Jana Eger gemacht worden sind. Im Bereich des Tafelbergs Jebel al-Ain an der Grenze von Nord-Kordofan wurden ein christliches Zentrum, wahrscheinlich ein Klosterkomplex, sowie mehrere weitere archäologische Stätten identifiziert, deren Struktur eine enge Beziehung dieser über 250 km vom Nil entfernte Kulturlandschaft mit den Niltalkulturen nahe legt. Das hier vorgestellte Forschungsprojekt soll die durch diese Entdeckungen aufgeworfenen Fragen hinsichtlich der Rolle Nord-Kordofans als kulturhistorische Kontaktzone klären - sowohl in kleinräumiger Hinsicht (Verbindung der Jebel al-Ain-Region zum Niltal sowie den alt-kordofanischen Kulturen mit dem Zentrum Zankor), als auch bezüglicher größerer Räume (die Rolle Nord-Kordofans als Kontaktzone zwischen den Niltalkulturen und den Kulturen des Sahelgürtels, insbesondere des Tschadbeckens).

Fragen dazu sind:

• Wo innerhalb der Region befinden sich ökologische Gunsträume, die Kern- und Kristallisationspunkte historischer Kulturentwicklung dargestellt haben könnten?
• In welchem Verhältnis standen (eher lineare) Makrokommunikation und (eher netzwerkorientierte) Mikrokommunikation zu einander? Konkret, lassen sich anhand der Zeugnisse verschiedener Wegeführungen Langstreckenverkehr, z.B. Karawanenhandel, und Kurzstreckenverkehr, z.B. im Rahmen pastoral-transhumanter Wirtschaftskonzepte, voneinander differenzieren?
• Welche Rolle spielte die Makrokommunikation durch diese Region für den überregionalen Technologietransfer? Exemplarisch könnte hierbei die Fragestellung der wechselseitigen Beeinflussung oder aber unabhängigen Entwicklung der Eisenverhüttungstechnologie in der meroitischen und der westafrikanischen bzw. Tschadbecken-Kulturen untersucht werden.
• Inwieweit spiegeln kulturelle Verbindungen zum Niltal, insbesondere im Bereich des Jebel al-Ain, auch eine politisch-administrative Durchdringung dieses peripheren Raumes durch die staatlich organisierten Strukturen des Niltals wider? Hier kann die Untersuchung von wasserbaulichen Anlagen westlich des Jebel al-Ain, die enge Parallelen im meroitischen Kernland aufweisen und deren dortige Rolle als Elemente zentralstaatlicher Kontrolle über periphere Räume kontrovers diskutiert wird, Aufschlüsse ermöglichen. Eine nähere Untersuchung des am Jebel al-Ain liegenden christlichen Komplexes verspricht Erkenntnisse über den direkten Einfluss Makurias auf diesen Abschnitt des Sahara-Randbereichs.


Zum Schwerpunktprogramm „Entangled Africa: Innerafrikanische Beziehungen zwischen Regenwald und Mittelmeer, ca. 6000 – 500 Jahre vor heute“ (SPP 2143):
http://www.entangled-africa.org/index.php/de/die-projekte/

Das Kloster am Jebel al-Ain (Foto: Eger)
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