Bevölkerung, Familie, Individuum: Wissensgeschichte der Humangenetik in der frühen Bundesrepublik

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Das von der DFG geförderte Projekt (2022-2024) studiert die Geschichte der Produktion, Zirkulation und Rezeption humangenetischen Wissens an der Scharnierstelle zwischen Diktatur und Demokratie. Es untersucht die Geschichte der Humangenetik in der frühen Bundesrepublik mit Blick auf ihre Akteurinnen und Aktuere, die Systematisierung und Ordnung von Wissenschaft und Wissensbeständen, sowie die Repräsentation und Medialität humangenetischen Wissens. Den Ausgangspunkt der Analyse bildet die Frage nach dem Wandel der Begriffe „Bevölkerung“, „Familie“ und „Individuum“ als Leitkategorien humangenetischer Forschung und Beratung.

Auf dieser Website informieren wir Sie über das Projekt, das Forschungsteam und die Kooperationspartner:innen. Darüberhinaus halten wir Sie zu anstehenden Vorträgen, geplanten Veranstaltungen und erschienen Publikationen auf den Laufenden.

Projektleitung

Prof. Dr. Isabel Heinemann
© Isabel Heinemann

Prof. Dr. Isabel Heinemann hat die Professur für Neueste Geschichte inne und forscht seit Jahren zu den Themen Bevölkerungspolitiken und Reproduktives Entscheiden in der Bundesrepublik und den USA. In dem Spannungsfeld dieser Bereiche ist das Forschungsprojekt angesiedelt.

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Projektbearbeiter

Lukas Alex, M. Ed.
© Lukas Alex

Lukas Alex hat Geschichte und Mathematik studiert. Seit 2020 beschäftigt er sich mit der Geschichte der Humangenetik aus der Perspektive von Medizin-, Wissenschafts- und Zeitgeschichte, unter anderem im Kontext seiner Masterarbeit zum "Genetik-Register" von Otmar von Verschuer in Münster.

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  • Aktuelles

    Kommende Vorträge

    • "Scientific community als Schicksalsgemeinschaft: Die Wissensnetzwerke der Rassenhygiene zwischen institutionellen Zusammenbruch und Wiedereingliederung in das westdeutschen Wissenschaftssystem (1945–1965)", im Rahmen des DoktorandInnenkolloquiums Forschung for Future am Historischen Seminar der WWU Münster, 10.01.2023.

    Veröffentliche Blogbeiträge

    • Human Genetics with(out) Eugenic Knowledge? Towards a History of Knowledge about Human Heredity in West Germany, im Blog "History of Knowledge" des Deutschen Historischen Instituts in Washington, 9.9.2022. Link
    • Mutanten im Münsterland? Das „Genetik-Register“ des Instituts für Humangenetik Münster als regionale Quelle der Medizin- und Wissenschaftsgeschichte, im Blog "Westfalen/Lippe - historisch" der Historischen Kommission für Westfalen (LWL), 9.9.2022. Link
  • Projektvorstellung

    Das Anliegen des hier vorgestellten Projekts ist eine Geschichte der Produktion, Zirkulation und Rezeption humangenetischen Wissens an der Scharnierstelle zwischen Diktatur und Demokratie. Es untersucht die Geschichte der Humangenetik in der frühen Bundesrepublik mit Blick auf ihre Akteur*innen, die Systematisierung und Ordnung von Wissenschaft und Wissensbeständen, sowie die Repräsentation und Medialität humangenetischen Wissens. Den Ausgangspunkt der Analyse bildet die Frage nach dem Wandel der Begriffe „Bevölkerung“, „Familie“ und „Individuum“ als Leitkategorien humangenetischer Forschung und Beratung. So lassen sich Kontinuitäten und Transformationen humangenetischer Wissensbestände in einer Phase institutioneller und forschungspraktischer Reorganisation präzise bestimmen – ohne vorschnellen Kontinuitätshypothesen oder euphemistischer Neuanfangserzählungen aufzusitzen.
    Im Blickfeld der Untersuchung stehen fünf humangenetische Forscher und die von ihnen geleiteten Institutionen: Otmar Freiherr von Verschuer (Münster), Hans Nachtsheim (Berlin), Fritz Lenz (Göttingen), Wolfgang Lehmann (Kiel), Karl Saller (München). Sie haben an entscheidender Stelle die Rassenforschung des Nationalsozialismus geprägt und konnten nach dem Zweiten Weltkrieg ihre Karrieren fortsetzen. Diese fünf Protagonisten standen in den 1950er Jahren den einzigen humangenetischen Forschungsstätten in der BRD vor und konnten damit, so ist zu vermuten, entscheidenden Einfluss auch auf die Restrukturierung und inhaltliche Ausrichtung der Disziplin nach 1945 nehmen.

    Unter welchen Bedingungen wurde die NS-Leitwissenschaft der Rassenforschung nach 1945 zur gesellschaftlich akzeptierten Humangenetik? Woran wurde geforscht und vor allem: Inwiefern strebten die Akteur*innen eine Kontinuität oder Neuerung zu den Forschungspraktiken der „Rassenhygiene“ an? Wie gestaltete sich die Beziehung zu Politik und Gesellschaft und welche internationalen Kooperationen konnten nach 1945 aufrechterhalten werden?

    Als thematischer Zugang wählen wir eine an Philipp Sarasin angelehnte Untersuchung der Akteure*innen, Systematisierung und Ordnung sowie Repräsentationsformen und Medialität humangenetischen Wissens. In den einzelnen Perspektiven verschränken sich ausgewählte Methoden der Zeitgeschichte, Science and Technology Studies, Historischen Epistemologie, Medizin- und Wissenschaftsgeschichte, um der inhaltlichen Breite der Nachkriegs-Humangenetik analytisch gerecht zu werden. Zentrale Quellenbestände sind Nachlässe, Publikationen, Vorträge, (internationalen) Korrespondenzen und Instituts- sowie Forschungsakten der Protagonisten.

  • Projektbezogene Publikationen

    Isabel Heinemann

    • Eugenische Eheberatung als transatlantische Verflechtungsgeschichte: Paul B. Popenoe, Otmar Freiherr von Verschuer und die moderne Familie, 1920 – 1970 (erscheint in VfZ 2022).

    Lukas Alex

    • Scheitern Problematisieren - Otmar von Verschuer und das Münsteraner "Genetik-Register", in: Sebastian Schuol und Michael Jungert: Scheitern in der Wissenschaft. Perspektiven der Wissenschaftsforschung, Paderborn 2022. Verlag Mentis/Brill
    • Den kranken Genen auf der Spur? Das Münsteraner „Genetik-Register“, das Atomministerium und die Frage nach Kontinuitäten in der humangenetischen Forschung, in: Daniela Hettstedt, Thomas Raithel und Niels Weise (Hrsg.): Im Spielfeld der Interessen. Das bundesdeutsche Atom- und Forschungsministerium zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und Politik, 1955-1972, München 2022 [im Erscheinen].
  • Kooperationspartner*innen

  • Kontakt

    Prof. Dr. Isabel Heinemann

    Westfälische Wilhelms-Universität
    Fürstenberghaus
    Domplatz 20-22
    Zimmer 13b
    D-48143 Münster

    Tel.: +49 251 83-25458
    isabel.heinemann@uni-muenster.de