Thomas Köhler


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Dissertationsprojekt:

Die weltanschauliche Erziehung der Ordnungspolizei im NS-Staat. Weltanschauliche Indoktrination per Buch

„Machen Sie mir aus meinen Männern der Polizei keine Weltweisen und keine Philosophen! Hüten Sie sich davor, diesen Männern die Grundsätze unserer nationalsozialistischen Weltanschauung als trockene Buchstabenweisheit zu übermitteln.“. So der im Range eines SS-Obergruppenführers stehende Chef der Ordnungspolizei Kurt Daluege im August 1937 gegenüber Schulungsleitern zum Thema der weltanschaulichen Erziehung (WE) und der Verschmelzung von SS und Polizei. Kein humanistisches Bildungsideal sollte den Polizisten des „Dritten Reiches“ vermittelt werden, aber auch keine starre Staatsbürgerkunde. Ziel der weltanschaulichen Erziehung sollte die Verinnerlichung der nationalsozialistischen Ideologie als Grundlage und Überbau für das alltägliche dienstliche Handeln sein. Der rassenpolitische Gedanke stand dabei im Mittelpunkt: Aus Polizisten sollten Polizeisoldaten, aus Schutzmännern Weltanschauungskrieger geformt werden.  Einen der Schwerpunkte der ideologischen Unterweisung bildete dabei die Indoktrination durch Literatur –Romane, Erzählungen, Erfahrungsberichte und Zeitschriftenbeiträge.
Ziel des Dissertationsprojektes ist es, anhand eines ineinander verzahnten mentalitätsgeschichtlichen und literaturwissenschaftlichen Ansatzes interdisziplinär die Wirkungsmächtigkeit der ideologischen Unterweisung der uniformierten Polizisten während des „Dritten Reichs“ vor allem in Bezug auf den Einsatz im Zweiten Weltkrieg und die damit einhergehende Judenverfolgung und -ermordung, aber auch die unter dem Deckmantel des „Bandenkampfes“ in Osteuropa begangenen Verbrechenskomplexe zu analysieren und einzuordnen.