Rhiana Koch, M.A.


Kontakt:

rhiana@uni-muenster.de

Lebenslauf:

geb. am 02.06.1982
10/2001-
02/2010
Magisterstudium der Neueren und Neuesten Geschichte, Philosophie und Deutschen Philologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
02/2006-
01/2010
Studentische Hilfskraft im Teilprojekt Macht und Ritual im Zeitalter der Französischen Revolution des Sonderforschungsbereichs 496 an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Projektleiter: Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer)
Abschlussarbeit zum Thema: Die Herausforderung der Massenkultur: Diskurse und Wertekonflikte im Katholizismus während der ‚Goldenen Zwanziger Jahre‘ der Weimarer Republik
seit
03/2010
Promotionsstudium der Neueren und Neusten Geschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (Betreuer: Prof. Dr. Thomas Großbölting)
seit
03/2010
Stipendiatin der Evangelischen Kirche von Westfalen

Dissertationsprojekt:

Konstanz, Erosion und (Neu)Formierung des Protestantismus und Katholizismus in der Bundesrepublik Deutschland: Ein Vergleich kirchlicher Sozialisation von den 60er bis zu den 80er Jahren (Arbeitstitel)

Die beiden großen christlichen Kirchen in der Bundesrepublik Deutschland sahen sich seit der Mitte der 60er Jahre mit dem sich manifestierenden Problem ihrer schwindenden Integrationskraft konfrontiert. Signifikant für die tiefgreifenden Veränderungen der Katholischen und Evangelischen Kirche als Lebenswelt in diesem Zeitraum ist die große Emnid-Untersuchung „Was glauben die Deutschen?“, die Ende 1967 im Spiegel veröffentlicht wurde und intensive Diskussionen anstieß. Die Studie dokumentiert eine unübersehbare Individualisierung hinsichtlich der Akzeptanz sowohl der dogmatischen als auch der ethischen Grundsätze beider großen Konfessionskirchen. Ein betont personaler Charakter des christlichen Glaubens trat in den Vordergrund und veränderte so die religiöse Alltagspraxis: Man wählte hier und verwarf da, durchaus in eigener Entscheidung, was man als wesentlich oder doch einleuchtend anzuerkennen bereit war. Katholische wie evangelische Theologen charakterisierten diese religiös-kirchliche Situation als Zeit wachsender und stetig zunehmender Schwierigkeiten, als „Glaubenskrise“ oder „krisenhafte Umbruchssituation“.
Zwar zeichnete sich der Bedeutungsverlust der Religion in allen Bevölkerungsgruppen ab, doch machte sich diese Tendenz besonders gravierend unter Jugendlichen bemerkbar. Eine Ursache dieses Tradierungsbruchs lag in der schwindenden Kraft religiöser sozialisatorischer Reproduktion. Wie haben die Evangelische und die Katholische Kirche sowie ihre Laienorganisationen in der Bundesrepublik Deutschland in ihrer Konzeption und Umsetzung versucht, ihre sich stetig verringernde Integrationskraft innerhalb der Jugend zu stärken? Wie sind die christlichen Jugendorganisationen mit den ebenso rasanten wie tiefgreifenden Veränderungen und den kirchlichen Vorgaben umgegangen? Welche unterschiedlichen Strategien, Diskurse, Konflikte und Handlungsmuster lassen sich im Katholizismus und Protestantismus in Bezug auf die kirchliche Sozialisation feststellen? Welche Glaubensinhalte und Lebensformen wurden in der Alltagspraxis vermittelt? Und inwiefern ist ein Wandel in der Sozialisation beider Kirchen erkennbar? Diesen leitenden Fragestellungen geht die Arbeit in einer vergleichenden Analyse des Protestantismus und Katholizismus für den Zeitraum der 60er bis 80er Jahre nach. Die Beschäftigung mit kirchlicher Jugendarbeit, in der sich im Besonderen generationsspezifische Einstellungs- und Verhaltensänderungen niederschlagen, soll zu einem genaueren Verständnis der Transformation von Religion im Übergang zur Postmoderne beitragen.