Marko Schulz


Kontakt:

marko.schulz@gmx.at

Lebenslauf:

Marko Schulz, Jahrgang 1982, studierte nach dem Abitur 2001 das Lehramt an Gymnasien für Geschichte und Sozialkunde an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Dieses schloss er mit dem Ersten Staatsexamen im Juni 2007 ab. Seit August 2007 absolvierte er das Referendariat am Ökumenischen Domgymnasium in Magdeburg. Im März 2009 legte er das Zweite Staatsexamen ab. Ab dem Schuljahr 2009/10 ist er Lehrer für die Fächer Geschichte und Sozialkunde am Ökumenischen Domgymnasium in Magdeburg. Seit Sommer 2007 ist er zudem Doktorand bei Prof. Dr. Thomas Großbölting.

Dissertationsprojekt:

Feindbilderziehung in den beiden deutschen Armeen – eine Chance für einen modernen Geschichtsunterricht? (Arbeitstitel)

In den militärgeschichtlichen Forschungen der letzten Jahre sind die beiden deutschen Armeen nach 1945 sehr gut erforscht worden. Besonders hervorzuheben sind hier die Arbeiten des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes in Potsdam. Dennoch steht eine vergleichende Analyse von Bundeswehr und NVA bislang aus.
Die Armeen der beiden deutschen Staaten besaßen in der Zeit des Kalten Krieges eine klare Vorstellung davon, wer ihr Feind war. Dafür sorgte nicht zuletzt die politische Erziehung. In der NVA kam hinzu, dass die herrschende Partei, die SED, durch den organisatorischen Aufbau der Streitkräfte nahezu allgegenwärtig war und etwa 80% der Offiziere Parteimitglieder waren, wie Daniel Giese nachweisen konnte. Weiterhin durchliefen im Zuge der Wehrpflicht Millionen junger Männer in DDR und BRD die jeweiligen Armeen und dienten so als „Multiplikatoren“ des ideologischen Gedankengutes. Nicht ohne Grund wurde bspw. die NVA als „Schule der Nation“ bezeichnet. Geht man mit Erving Goffman davon aus, dass Armeen als so genannte „totale Institutionen“ verstanden werden können, die räumlich von der Außenwelt abgeschlossen sind und in denen alle Lebensbereiche (Arbeiten, Freizeit und Schlafen) an dem gleichen Ort und unter der gleichen Autorität stattfinden, kann vermutet werden, dass die Soldaten und Offiziere der Streitkräfte empfänglich für die Inhalte waren, die ihnen an den Truppenstandorten vermittelt wurden. Dies trifft vor allem auf die politische Indoktrination zu, zu der auch die Vermittlung eines Feindbildes gehörte. Anzunehmen ist, dass in beiden Armeen Konzepte (vielleicht sogar didaktische?) existierten, die darauf zielten, das entsprechende Feindbild in den Köpfen der Angehörigen zu verfestigen.
Das Dissertationsprojekt ist in zwei Abschnitte gegliedert. Im ersten fachwissenschaftlichen Teil wird versucht, einem Bereich der „Erziehung zum Haß auf die Feinde“ nachzuspüren – nämlich der Feindbildvermittlung, die besonders mittels der Ausbildungs- und Lehrfilme erzeugt wurde. Aber auch anhand von Ausbildungsschriften, Seminarunterlagen usw. lässt sich das jeweilige Feindbild nachvollziehen. Hierfür sollen nicht nur die NVA-Materialien – als Beispiele für die politische Erziehung in der kommunistischen Diktatur –, sondern auch die der Bundeswehr herangezogen werden – als Beispiele für ebenjene Erziehung in Demokratien. Ziel ist es, einen Vergleich zu ziehen. Existierten in den beiden deutschen Armeen didaktische Konzepte für die Vermittlung eines festen Feindbildes? Gab es in diesen Konzepten Gemeinsamkeiten oder Unterschiede? Welche Rolle spielten die jeweiligen Bündnispartner – die NATO im Westen, der Warschauer Pakt mit der Sowjetunion als Führungsmacht im Osten? Hat die Rolle der Bundeswehr als eine „Parlamentsarmee“ Auswirkungen auf die Vermittlung eines Feindbildes? Gibt es Abhängigkeiten zwischen der internationalen Politik, bspw. die Ostpolitik, und der politischen Erziehung? Inwieweit wurde der Erfolg der politischen Erziehung kontrolliert? Dies sind einige Fragen, die die Dissertation im fachwissenschaftlichen Abschnitt nachgehen möchte. Zentrale Quellen werden die angedeuteten Materialien sein. Daneben spielen aber auch Zeitzeugeninterviews eine wesentliche Rolle.
Im zweiten Teil der Dissertation soll der Bogen auf den Geschichtsunterricht in der Schule geschlagen werden. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung eines Konzeptes, mit dessen Hilfe der im ersten Teil erarbeitete Gegenstand in den Geschichtsunterricht der 10. aber auch der 12. Klasse integriert werden kann. Ziel ist es, an dem Thema der Feindbildvermittlung einen Aspekt der deutsch-deutschen Geschichte nach 1945 zu vermitteln und zugleich Kompetenzen bei den Schülerinnen und Schülern zu entwickeln. Hierbei soll exemplarisch am Thema der Feindbildvermittlung in den Streitkräften die Interdependenz zwischen der internationalen Situation und der entsprechenden Rezeption des Gegners untersucht werden. Im Rahmen eines solchen auf Kompetenzerwerb angelegten Geschichtsunterrichts steht das Konzept der Handlungsorientierung im Vordergrund. Nur wenn die Schülerinnen und Schüler sich selbst bzw. in Kooperation miteinander historische Sachverhalte erarbeiten, können sie Kompetenzen erwerben und weiterentwickeln. Dieser didaktischen Orientierung soll die Arbeit folgen.