Bernhard Liemann, M.A.


Kontakt:

bliemann@uni-muenster.de

Lebenslauf:

Bernhard Liemann studierte die Fächer Neuere und Neueste Geschichte, Politikwissenschaft sowie Kultur, Kommunikation & Management an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Hier war er als Studentische Hilfskraft am Historischen Seminar und am Seminar für Europäische Ethnologie beschäftigt und arbeitete im DFG-Projekt „Nationalismus und Alltag an der deutsch-belgischen Grenze (1815–1920)“. Im Rahmen eines Erasmus-Stipendiums verbrachte er ein Auslandsjahr an der Katholieke Universiteit Leuven in Belgien. In seiner Magisterarbeit (2009) beschäftigte er sich mit der Kriegserfahrung der Zivilbevölkerung an der deutsch-belgischen Grenze im Sommer 1914. Seit Herbst 2009 arbeitet er als Promotionsstipendiat im DFG-Graduiertenkolleg Zivilgesellschaftliche Verständigungsprozesse vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart – Deutschland und die Niederlande im Vergleich am Zentrum für Niederlande-Studien der Universität Münster.

Dissertationsprojekt:

Die zivilgesellschaftliche Öffentlichkeit im Ersten Weltkrieg. Grenznahe deutsche, belgische und niederländische Kleinstädte im Vergleich

In der modernen Weltkriegsforschung werden zeitgenössisch überlieferte Betrachtungen über den Ersten Weltkrieg zunehmend kritisch hinterfragt. Ein Beispiel dafür ist das Konstrukt „Augusterlebnis“, nach dem angeblich alle Deutschen in ihrer Kriegsbegeisterung vereint gewesen seien. Im Rahmen des Dissertationsvorhabens soll nun das kommunikative Handeln zivilgesellschaftlicher Akteure in der Öffentlichkeit während der gesellschaftlichen Konfliktsituation im Ersten Weltkrieg en detail analysiert werden.
Im Fokus stehen die verschiedensten Vereine, Clubs und Organisationen vor Ort, die sich während der gesellschaftlichen Umbruchsituation seit dem Jahr 1914 in einem permanenten Aushandlungsprozess zum nationalen Diskurs positionierten. Zivilgesellschaftliche Akteure sind dazu in Lage, kommunikative Handlungen (vom Spendenaufruf bis zur Demonstration) in der Öffentlichkeit zu vollziehen und in diesem Rahmen ihr Verhältnis zur Nation auszuhandeln, zu definieren und ihrer Umwelt als Deutungsangebot zur Verfügung zu stellen. Dadurch schufen sie nicht zuletzt auch Strukturen zur sozialen und kulturellen Inklusion. Aufgrund der ausgeprägten grenzüberschreitenden Kontakte in den Regionen ist dabei auch nach der Existenz transnationaler Netzwerke zu fragen. In der Mikrostudie wird ein synchroner Vergleich dreier deutscher, belgischer und niederländischer Kleinstädte durchgeführt. Als Untersuchungsraum dienen dabei Eupen (bis 1920 bei Deutschland), Tongeren (belgische Provinz Limburg) und Roermond (niederländische Provinz Limburg). Das Dissertationsvorhaben basiert auf drei Quellengattungen: Zeitungen (regional und lokal), Akten (Protokollbücher der Vereine, staatliche Gegenüberlieferungen) und Ego-Dokumente (Tagebücher, Briefe).