JAN ZINKE, M.A.


Kontakt:

jan.zinke@uni-muenster.de

Lebenslauf:

2006-2012 Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Münster
2009-2011 Studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte (Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer / Prof. Dr. Thomas Großbölting)
2009 Bachelor of Arts
2010-2011 Diverse Praktika im Bereich der Presse, Medien, Unternehmenskommunikation und -beratung (u.a. ZDF, Mainz; Evonik Industries AG, Essen; Hering Schuppener GmbH, Düsseldorf)
2012-2013 Wissenschaftliche Hilfskraft am Lehrstuhl für Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts (Prof. Dr. Christian Jansen)
2012 Master of Arts
seit 2013 Promotionsstudium

Dissertationsprojekt:

Rudolf Nadolny: Ein Diplomat zwischen Kaiserreich und Bundesrepublik. Politische Biographie

Im deutschen diplomatischen Korps der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war Rudolf Nadolny eine der schillerndsten Personen. Seine Karriere im Auswärtigen Amt als einer der wenigen Bürgerlichen führte ihn an wichtige Wegmarken sowohl der deutschen wie der internationalen Geschichte. 1873 im ostpreußischen Groß-Stürlack geboren, gelang ihm 1902 die Aufnahme in das Auswärtige Amt. Nach seiner ersten Station im Generalkonsulat in St. Petersburg wusste sich Nadolny als Kenner der deutsch-sowjetischen Wirtschaftsbeziehungen zu etablieren. Den entscheidenden Schritt für die diplomatische Karriere wagte Nadolny als Gesandter des Deutschen Reichs in Persien während des Ersten Weltkriegs. Durch seine ambitionierte Vorgehensweise wurde Nadolny alsbald als Leiter für das Osteuropa-Referat nach Berlin zurückgeholt, wo er die revolutionären Unruhen von 1918 und 1919 und den Beginn der Weimarer Demokratie hautnah miterlebte. Für das Mitte 1919 neu zu bildende Kabinett unter Gustav Bauer zirkulierte Nadolnys Name – protegiert durch seine enge Verbindung zum Reichspräsidenten – sogar als zukünftiger
Außenminister. Doch das Angebot lehnte er ab.
Nach Stationen in Stockholm und Ankara sowie in Genf als Delegationsleiter der Abrüstungskonferenz konnte Nadolny 1933 sein persönliches wie berufliches Lebensziel erreichen: den Posten als deutscher Botschafter in Moskau. Gleichwohl bedeutete für ihn der Anfang der nationalsozialistischen Außenpolitik eine nicht zu
bewältigende Hypothek. Seinem Rücktritt von einer der wichtigsten Stellen der deutschen Diplomatie im Juni 1934 war ein tiefgehender Konflikt mit Außenminister Neurath und Reichskanzler Hitler vorausgegangen, den Nadolny sogar persönlich mit dem »Führer« in zwei Gesprächen in Berlin ausgefochten hatte. Nadolny hatte im Disput mit Hitler darauf gepocht, das Verhältnis zur Sowjetunion nicht noch weiter abkühlen zu lassen, woraufhin beide während ihres Wortwechsels »abwechselnd mit der Faust auf den Tisch« (Herwarth) geschlagen haben sollen.
Doch seine Konsequenz, vom Posten des Botschafters zurückzutreten, blieb ohne Widerhall. Bis zum Ausbruch des Krieges war er der letzte Diplomat, der unter der Diktatur Hitlers aus eigenen Stücken seinen Dienst niedergelegt hat. Erst im Mai 1973 zu Nadolnys 20. Todestag würdigte der damalige Staatssekretär des Auswärtigen Amts diesen als ein »Vorbild für den Mut«, mit dem er für seine Überzeugung gearbeitet habe. Umso erstaunlicher ist der Umstand, dass Nadolny in der überschaubaren Reihe von hochrangigen Diplomaten, die über die politischen Zäsuren vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis in das »Dritte Reich« aktiv waren, auch in historiographischer Hinsicht einer der unbekannteren geblieben ist. Bis heute liegt über Nadolny keine historisch-kritische Einzelstudie vor. Diese historiographische Lücke soll das vorliegende Dissertationsprojekt schließen.

Publikationen:

Tagungsberichte:

  • (zusammen mit Niklas Lenhard-Schramm) Parteiengeschichte heute – Forschungsstand, Desiderate und neue (kulturgeschichtliche) Fragen. In: HSoz-u-Kult, 25.05.2013. Auch in: AHF-Information. Nr. 71, 2013.
  • Das Auswärtige Amt in der NS-Diktatur. Forschungsstand – Forschungskontroversen – Forschungsdesiderate. In: AHF-Information. Nr. 135, 2013.

Aufsätze:

  • (zusammen mit Michael Jonas) »Wir standen mit der Zukunft im Bunde«. Rudolf Nadolny, das Auswärtige Amt und die deutsche Persienpolitik im Ersten Weltkrieg. In: Loth, Wilfried / Hanisch, Marc (Hrsg.): Erster Weltkrieg und Dschihad: Die Deutschen und die Revolutionierung des Orients. München 2014, S. 61-89.

Rezensionen:

  • Schulte, Jan Erik; Wala, Michael (Hrsg.): Widerstand und Auswärtiges Amt. Diplomaten gegen Hitler. München 2013. In: H-Soz-u-Kult, 24.07.2014.