• Vita

    Geb. 1984, 2004–2009 Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Englischen Philologie und Mittleren Geschichte an der Westfälischen-Wilhelms-Universität Münster, 2009 Magister Artium mit einer Arbeit zum Thema „Die Grenzen lutherischer Konfessionalisierung: Das Hochstift Halberstadt in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts“. 2007–2009 studentische Hilfskraft am Institut für Buchwissenschaft und Textforschung, 2009–2014 angestellt im Projekt „Stadtgeschichte Billerbeck“ am Institut für vergleichende Städtegeschichte, 2014–2016 wissenschaftliche Volontärin bei der Historischen Kommission für Westfalen, 2016–2018 zuständig für die Bibliographie am Institut für vergleichende Städtegeschichte. Seit April 2019 ist Dörthe Gruttmann Projektmitarbeiterin in der Geschäftsstelle des Westfälischen Heimatbunds.

  • Dissertationsprojekt

    Vom Wallfahrtsort zur Fremdenverkehrsgemeinde: Die städtische Entwicklung Billerbecks nach 1945

    Die westfälische Kleinstadt Billerbeck machte gerade in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts einen bedeutenden Wandel durch, in dessen Verlauf sich die Bedeutung der Stadt als Wallfahrtsort zugunsten einer Fremdenverkehrsgemeinde veränderte bzw. erweiterte. Trotz dieses Wandels stellt das 20. Jahrhundert und im besonderen Maße die Zeit seit 1945 für die Untersuchung der kleinstädtischen Entwicklung Billerbecks ein Forschungsdesiderat dar.
    Über den lokalen Kontext hinaus bildet die von Albert Herrenknecht und Jürgen Wohlfahrt im stadtgeographischen Zusammenhang formulierte Beurteilung, dass „die westdeutschen Kleinstädte … sich im Wesentlichen erst grundlegend nach 1945 verändert“ haben, den Ausgangspunkt der Untersuchung. Diese These soll in der Dissertation aufgegriffen werden, um die Vielgestaltigkeit sowohl der allgemeinhistorischen Prozesse der Kleinstadtentwicklung, denen Billerbeck nach Ende des 2. Weltkriegs unterlag, als auch der spezifischen eigenen Entwicklung, aufzuzeigen. Die in verschiedenen städtischen Bereichen vollzogenen Transformationsprozesse sollen nicht nur im Hinblick auf ihren Verlauf, sondern gerade auch auf ihre Wirkung und Bedeutung für Stadt und Einwohnerschaft hin untersucht werden. Der zu dokumentierende Wandel der Stadtidentität vollzog sich sichtbar in der Zeit vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis in die 1980er Jahre, aus welchem Grund diese Jahrzehnte den Untersuchungszeitraum markieren. Jene Zeit war geprägt durch eine ständige Konfrontation zwischen Altem und Neuen, zwischen (kleinstädtischer) Tradition und Modernisierungs- und Erneuerungsbestrebungen.
    In einem ersten Schritt wird die Zäsur 1945 in den Blick genommen, die für Billerbeck in dem Maße prägend war, als dass die Kleinstadt aufgrund ihrer Nichtzerstörung eine große Anzahl an Evakuierten, Flüchtlingen und Vertriebenen aufnehmen musste. Probleme resultierten nicht nur aus den auch in allen anderen Städten hervorgerufenen Versorgungsschwierigkeiten, sondern gerade auch aus der konfessionellen Verschiedenheit, da viele der neu Hinzugezogenen protestantisch waren. Inwiefern sich diese konfessionelle Abgrenzung auf die Stadtentwicklung sowie die aufgebrochene Homogenität der Einwohnerschaft ausgewirkt hat, muss – gerade auch für die 1950er und 1960er Jahre – der Zeit des starken Rückgangs der katholischen Lebenswelt – analysiert werden.
    Einen weiteren Untersuchungsschwerpunkt bildet der kulturelle Sektor, da z.B. durch den Bau eines Kinos in den späten 1940er Jahren, der Errichtung der Freilichtbühne (1950) und des Freibades (1960) die Kleinstadt auch zunehmend für das Umland und Ausflügler attraktiv werden sollte und sich somit die Zentralitätsfunktion weiter hob.
    Die durchgeführte Kernstadtsanierung, die sich über knapp zwei Jahrzehnte bis Anfang der 1980er Jahre hinzog, wertete den Innenstadtbereich auf. Die Suburbanisierung als Folge (hier ist beispielsweise die Auslagerung der Firma Suwelack nach Hamern zu nennen) ist somit ein wichtiger Untersuchungsgegenstand der städtischen Entwicklung in topographischer, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht.
    Diese exemplarisch ausgewählten Untersuchungsbeispiele  sollen  ausreichen, um zu verdeutlichen, welche Untersuchungsschwerpunkte gesetzt werden, um die städtische Entwicklung Billerbecks nach 1945 zu dokumentieren.

  • Publikationen

    Aufsätze

    • Der Ruhrkessel, in: Lena Krull (Hg.), Westfälische Erinnerungsorte, Paderborn 2017 (Forschungen zur Regionalgeschichte, Bd. 80), S. 323–338.
    • Small-town film culture and the Catholic milieu in the Münsterland: Billerbeck and Telgte in the 1950s, in: Clemens Zimmermann, Judith Thissen (Hg.), The Lure of the City: Cinema Culture in Small-Towns and Rural Communities in Europe. International Workshop in Comparative Cinema History, 20-21 September 2013 in Saarbrücken, im Druck.
    • Kleinstadt in der Moderne. Billerbeck im 20. Jahrhundert, in: Werner Freitag (Hg.), Geschichte der Stadt Billerbeck, Bielefeld 2012, S. 263–477.
    • Die Grenzen lutherischer Konfessionalisierung. Das Hochstift Halberstadt unter dem postulierten Bischof Heinrich Julius von Braunschweig-Wolfenbüttel (1566–1613), in: Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands 57 (2011), S. 1–36.

    Mitarbeit an Publikationen

    • Geschichte der Stadt Billerbeck, hg. im Auftrag des IStG von Werner Freitag unter Mitarbeit von Dörthe Gruttmann und Constanze Sieger, Verlag für Regionalgeschichte, Bielefeld 2012.

    Rezensionen

    • Jürgen Büschenfeld/Bärbel Sunderbrink (Hg.), Bielefeld und die Welt. Prägungen und Impulse, Bielefeld 2014 (Sonderveröffentlichung des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg, 17), in: Westfälische Forschungen 65 (2015), S. 652–654.
    • Detlef Grothmann, Salzkotten 1945–1975. Teil 1: Mangel, Improvisation, Aufbruch. Salzkotten 1945–1948, Paderborn 2013 (Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte, Bd. 75), in: Westfälische Forschungen 65 (2015), S.659–662.
    • Paul Leidinger (Hg.), Deutsche Ostflüchtlinge und Ostvertriebene in Westfalen und Lippe nach 1945. Beiträge zu ihrer Geschichte und zur deutsch-polnischen Verständigung, Münster 2011 (Quellen und Forschungen zur Geschichte des Kreises Warendorf, 46), in: Osnabrücker Mitteilungen 117 (2012), S. 257–258.