Verbundprojekt Demokratie und Geschlecht:
Konflikte um die Ordnung der deutschen Gesellschaft im 20. Jahrhundert

Gefördert durch die Gerda Henkel Stiftung 2022-2025

Kooperationsprojekt des IfZ München/Berlin (Prof. Dr. Martina Steber / PD Dr. Bernhard Gotto), der Professur für transnational Geschichte an der Ruhr Uni Bochum (Prof. Dr. Sandra Maß) und der Professur für Neueste Geschichte an der WWU (Prof. Dr. Isabel Heinemann)

Das Projekt analysiert mit einer geschlechtergeschichtlichen Perspektive auf die deutsche Demokratie im 20. Jahrhundert Konflikte um eine „gute Ordnung“ der Gesellschaft. In der Kategorie gender bündeln sich die der Demokratie inhärenten Widersprüche zwischen staatsbürgerlicher Gleichheit und kultureller wie sozialer Differenz. Das Projekt fragt nach der Interdependenz von Geschlechterordnungen und Partizipationschancen und entwirft so eine gender-zentrierte, diachrone Konfliktgeschichte der Demokratie von der Weimarer Republik bis in die 1990er Jahre. Es verschränkt intersektionale und transnationale Analyseebenen und rückt wenig beachtete Akteur*innen, Themenfelder und Räume ins Zentrum der Demokratiegeschichte. Ein Postdoc- und zwei Dissertationsprojekte erforschen gegenderte Aneignungen der ländlichen Demokratie Weimars (angesiedelt am IfZ), Antifeminismus als Selbstbehauptungsversuch einer tradierten Geschlechterordnung in der Bundesrepublik (angesiedelt an der WWU) und das Spannungsfeld von Migration, Geschlecht und Demokratie am Beispiel politischer Exilantinnen seit den 1960er Jahren (angesiedelt an der RUB).

© Gerda Henkel Stiftung
  •  Teilprojekt 2: Antifeminismus in der BRD von den 1950er bis in die 1990er Jahre (geleitet von Prof. Dr. Isabel Heinemann, bearbeitet von Benedikt Breisacher)

    Dieses Promotionsprojekt behandelt Konjunkturen, Akteur*innen, Themen und Praktiken anti-feministischen Aktivismus von den 1950er bis in die 1990er Jahre. Die Geschichte des Antifeminismus in der BRD stellt ein Forschungsdesiderat dar, welches das Spannungsverhältnis zwischen Demokratiekonzepten und Vorstellungen ‚natürlicher‘ Geschlechtscharaktere beispielhaft verdeutlicht. Nach 1945 verstanden sich zahlreiche Akteur*innen aus konservativen Frauenverbänden, Sozialwissenschaften, Kirchen und Parteien als Demokrat*innen, beharrten jedoch auf einer traditionellen Geschlechterordnung. Antifeministisches Engagement wurde in gesellschaftlichen Debatten um politisch-rechtliche Gleichberechtigung, um reproduktives Entscheiden, um die Erwerbsarbeit von Frauen und Gewalt gegen Frauen sichtbar. Hier setzt das Projekt an, um die konfliktreichen Verständigungen über die Reichweite von Demokratisierung beispielhaft zu untersuchen.