Lehrangebot

Veranstaltungen im Sommersemester 2020

Wien/Berlin um 1900. Zwei Modelle literarischer Moderne
BA Vertiefungsmodul Literatur
Mi, 10-12 Uhr, Beginn: 8. 4. 2020, VSH 118

Bereits in den 1880er Jahren revolutioniert die europäische Bewegung des Naturalismus die deutsche Literaturszene in Berlin. Gegen den schwülstigen Epigonalstil des gründerzeitlichen Kaiserreichs tritt eine junge Künstlergruppe mit dem Ziel einer radikalen Verwissenschaftlichung und Entideologisierung der Kunst an, greift soziale Konfliktthemen auf, fegt Darstellungstabus beiseite. Zeitgleich entsteht in Wien, wo der Naturalismus nur ein kurzes Gastspiel gibt, eine völlig andere, aber ebenfalls mit existenziellem Modernisierungsanspruch auftretende Literatur. Auf der Basis von sprachkritischen und wahrnehmungstheoretischen Diskursen und der Psychoanalyse werden Texte verfasst, die vor allem die Medien thematisieren, die eine als im Kern unzugänglich begriffene Wirklichkeit darstellen. Das Seminar will die Modernisierungsimpulse dieser gegenläufigen Bewegungen am Beispiel ausgewählter Texte von Arno Holz, Johannes Schlaf, Gerhart Hauptmann, Hugo von Hofmannsthal und Artur Schnitzler diskutieren.


Geschichte erzählen in der Postmoderne
Master (polyvalent)
Mi, 16-18 Uhr, Beginn: 8.4.2020, VSH 118

In den intellektuellen Diskussionen der Postmoderne herrscht Skepsis gegenüber der Idee ‚der‘ Geschichte: Nicht nur ist die Sensibilität für die Unterschiedlichkeit der vielen historischen Akteure und deren widersprüchliche Interessen gewachsen, nach dem ‚linguistic turn‘ weiß man auch, dass ‚Geschichte‘ das Produkt eines rhetorisch-literarisch fundierten Erzählens von Geschichten, Faktentreue also niemals garantiert ist. Gleichzeitig boomt der historische Roman in der populären Unterhaltungsliteratur – was darauf schließen lässt, dass es den Zeitgenoss*innen sehr viel angenehmer zu sein scheint, in fantasyhafte Geschichten über mittelalterliche Wanderhuren und Wunderheiler abzutauchen statt sich mit den komplexen Problemlagen von Gegenwart und Zukunft auseinanderzusetzen. Diese Situation kritisch zu reflektieren und zugleich lesbare, spannende Texte zu produzieren, ist eine Herausforderung für den aktuellen historischen Roman. Welche überraschenden neuen Erzählstrategien dabei entworfen, wie traditionelle Muster dekonstruiert, wie ‚Fakten‘ und ‚Fiktionen‘ miteinander verwoben werden, werden wir an einer Reihe von aktuellen Romanen (von Süßkind, Kehlmann, Timm, Kracht u.a.) analysieren.


‚Second Sight‘ und Geisterschau. Annette von Droste-Hülshoff und die Literatur des 19. Jahrhunderts
Master (polyvalent)
Mo, 16-18 Uhr, Beginn: 6.4. 2020, VSH 118

Ende des 18. Jahrhunderts beginnt der Siegeszug der (Natur-)Wissenschaften, der im Verein mit Industrialisierung und Technisierung die gesamte Kultur des 19. Jahrhunderts prägen wird. Gleichzeitig schwächt sich die Autorität der Religion ab, so dass eine vormals wichtige Instanz zur Kodifizierung des Numinosen, Unerklärlichen und Furchterregenden schwindet. Zur irritierenden Welterfahrung der Zeitgenoss*innen gehört, dass mit zunehmendem Wissen auch das Bewusstsein des Nichtwissens wächst und dass die Erforschung der Wahrnehmung für alle Arten der Wahrnehmungstäuschung sensibel macht. Entsprechend produzieren Kultur und Ästhetik Bilder und Symbole, mithilfe derer über die Grauzonen von Wissen, Bewusstsein, Macht und Gewalt gesprochen werden kann. Literatur zwischen Romantik und Realismus, die Doppel- und Wiedergänger, Geister und Gespenster auftreten lässt, ist ein wichtiges Medium dieser Kommunikation. Das Seminar wird ausgewählte Texte von Annette von Droste-Hülshoff, der Meisterin des Vagen und Zweideutigen, im Kontext avancierter Spukgeschichten von Tieck, E.T.A. Hoffmann, Kleist und Storm analysieren.


Master- und Forschungskolloquium
Do, 10-12 Uhr, Beginn: 9.4.2020, VSH 18

Kolloquium zur Diskussion aktueller Masterarbeiten.


Kolloquium der GSPoL
Mi, 14-16 Uhr