Lehrangebot im WiSe 2020/2021

Walter Benjamin: Berliner Kindheit um 1900.
(MEd (G), Kompetenzmodul "Fachdidaktik und Fachwissenschaft")

Mo 10:00 - 12:00 Uhr, VSH 18

Walter Benjamins stilistisch herausragende und geistreiche Erzählminiaturen „Berliner Kindheit um neunzehnhundert" (1932-1938) gehören nach wie vor zu den faszinierenden autobiographischen Schlüsseltexten der literarischen Moderne. Sie werden in dieser Veranstaltung gründlich gelesen, analysiert und in ihrem historischen Kontext verortet. Ebenso wird die vorausgehende Prosafassung „Berliner Chronik“ (1932) vergleichend herangezogen, um den Werkprozess der Visualisierung, Verdichtung und Verknappung zu rekonstruieren.
Zugleich ist dieses Seminar eine theorieintensive Einführung in Denkmotive und ästhetische Grundsätze des Erzählers, Literaturkritikers und Medientheoretikers Benjamin in der Zeit der Weimarer Republik und des Exils. Unsere Lektüre soll vor allem auch dazu anregen, die Raffinesse seiner narrativen und erinnernden Kindheitserkundungen zu erschließen und weiterführend in Walter Benjamins Denkmotive einzutauchen.

Eine regelmäßige und durchgehend aktive Teilnahme an den einzelnen Seminarsitzungen über das gesamte Semester hinweg sowie eine hohe Lesebereitschaft werden von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet.

Die „Berliner Kindheit“ muss bis zum Semesterbeginn bitte gründlich gelesen sein.

Lit.: Walter Benjamin: Berliner Kindheit um 1900. Berlin 2010 (suhrkamp taschenbuch 4197)


Formen der Kritik im Literaturunterricht.
(MEd (GymGes/BK), Kompetenzmodul "Fachdidaktik")

Mo 14:00 - 16:00 Uhr, VSH 19

Das Seminar geht grundlegend und systematisch der Frage nach, was Kritik überhaupt ist, warum sie im didaktischen Diskurs derzeit so auffällig vernachlässigt wird und welche Bedeutung hingegen Formen und Praktiken der Kritik im Literaturunterricht zukommen kann. Auszugehen ist davon, dass Kritik, sowohl theoretisch als Kategorie und Konzept als auch lernstrategisch als Lese- und Denkpraxis, in der zeitgenössischen Literaturdidaktik und den zentralen schulpolitischen Festlegungen heute nahezu keine Rolle mehr spielt. Unter der Ägide neoliberalisierter Bildungsideologien ist kritisches Denken, Urteilen und Verhalten durch eine funktionale Kompetenz- und Outputorientierung, einem diskursfeindlichen Evaluations- und Testdesaster sowie einer letztlich antiästhetischen Entliterarisierung weitgehend entsorgt worden. Das Kritikverständnis selbst wurde praktisch vernachlässigt und theoretisch trivialisiert, weil es gar nicht mehr darum gehen soll, diskursiv und reflexiv zu prüfen, welche Maßstäbe von Urteilen und Erkenntnissen relevant sind und welche aus welchen Gründen geteilt werden sollen.
Diese Veranstaltung will sowohl theoretisch gehaltvolle Bestimmungen von Kritik (Formen, Reflexionsstufen und praktische Möglichkeiten) erarbeiten als auch didaktische Modellierungen aufzeigen, die den aufklärerischen Prämissen einer kritischen Geistes- und Lebenshaltung verpflichtet sind und Literatur fundiert erschließen lassen. Im Mittelpunkt steht die doppelte Kritik-Frage danach, welche reflexiven und sinnlichen Möglichkeitsräume sich mit literarischen Texten erschließen lassen und was Literatur leisten kann, um zur Klärung von normativen Standpunkten und Haltungen beizutragen.
Eine regelmäßige und durchgehend aktive Teilnahme an den einzelnen Seminarsitzungen über das gesamte Semester hinweg sowie eine hohe Lesebereitschaft werden von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet.

Zur Vorbereitung geeignet:

Dawidowski/Wrobel (Hrsg.): Kritik und Kompetenz. Baltmannsweiler 2013.
Borries/Schrenk: Kritik üben. Hamburg 2018
Jaeggi/Wesche: Was ist Kritik? Berlin 2009


Literatur über den Nationalsozialismus im Unterricht.
(B (HRSGe), Vertiefungsmodul "Literaturwissenschaft und Literaturdidaktik")

Di 10:00 - 12:00 Uhr, VSH 118

In dieser Veranstaltung werden anhand ausgewählter Lektüren Modelle und Konzepte des literarischen Umgangs mit dem Nationalsozialismus und dem Holocaust im Deutschunterricht behandelt. Ein besonderer Schwerpunkt wird dabei die Frage sein, wie eine zeitgemäße Theorie der literarischen und medialen Erinnerung fundiert sein muss, damit sich der Literaturunterricht auch gehaltvoll vom Fach Geschichte und von der politischen Bildung unterscheiden kann. Soll literarische und ästhetische Bildung über den Nationalsozialismus mehr und anderes sein als nötiges historisches Wissen, politisches Bewusstsein und selbstverständliche moralische Orientierung, nämlich besondere Reflexion auf ästhetische Zusammenhänge und mediale Formate, dann muss sich dies auch theoretisch angemessen in den didaktischen Reflexionsformen und normativen Orientierungen des Unterrichtens ausdrücken. Ist das heute wirklich hinreichend der Fall? Wozu sollten literarische Texte zum Holocaust im Deutschunterricht überhaupt behandelt werden?

Eine regelmäßige und durchgehend aktive Teilnahme an den einzelnen Seminarsitzungen über das gesamte Semester hinweg sowie eine hohe Lesebereitschaft werden von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet.

Diese Texte müssen bitte bis zum Seminarbeginn gelesen sein:

John Boyne: Der Junge im gestreiften Pyjama. Ffm. 2009 (Fischer TB)
Eric Heuvel u.a.: Die Suche. Braunschweig 2010


Lyrik und ästhetische Erfahrung.
(MEd (G), Kompetenzmodul "Fachdidaktik und Fachwissenschaft")

Di 14:00 - 16:00 Uhr, VSH 07

Gedichte sind sprachliche Maßnahmen, die ephemere Wahrnehmungen verlangsamen, gewohnte Vorstellungen erschweren, übliches Verstehen verzögern und Imaginationen ermöglichen. Sie bereichern den Leser und die Leserin, indem etwas noch nicht so Gesehenes und so Gesagtes überraschend gesehen und gesagt wird.
In dieser leseintensiven Veranstaltung wird der Frage nachgegangen, was es genau bedeutet, mit Kindern Lyrik zu lesen und Möglichkeiten ästhetischer Erfahrung durch Gedichte zu erschließen. Hierzu werden ebenso Theorietexte zur Analyse poetischer Texte, zur Didaktik des lyrischen Genres sowie zur Ästhetik kindlicher Kunsterfahrung zu behandeln sein. Aspekte der besonderen Sprachqualitäten lyrischer Texte und der hierfür notwendigen literarischen Lese-, Wahrnehmungs- und Imaginationsfähigkeiten von Kindern werden im Mittelpunkt des Seminars stehen.
Die Bereitschaft, sich mit umfangreichen Theorietexten zu befassen, wird vorausgesetzt.


Eine regelmäßige und durchgehend aktive Teilnahme an den einzelnen Seminarsitzungen über das gesamte Semester hinweg wird von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet.

Zur Vorbereitung geeignet: Ralf Schmerberg: Poem (2003) [https://vimeo.com/95726279]


Gedichte in der Grundschule.
(B (G), Aufbaumodul "Literatur")

Mi 12:00 - 14:00, VSH 19

Die Frage danach, was Lyrik ist und weshalb sie von Kindern gelesen und im Grundschulunterricht behandelt werden sollte, betrifft literaturwissenschaftliche, ästhetische, fachdidaktische und lesepsychologische Aspekte gleichermaßen. Daher werden auch aus diesen Bereichen relevante Theorietexte verhandelt, die sowohl ein fachlich fundiertes Verständnis lyrischer Textsorten und Ausdrucksformen ermöglichen als auch deren Behandlungsmöglichkeiten im Deutschunterricht reflektieren.
In dieser Veranstaltung wird der Frage nachgegangen, was es genau bedeutet, mit Kindern Lyrik zu lesen und Möglichkeiten ästhetischer Erfahrung durch Gedichte zu erschließen. Ein weiterer Schwerpunkt wird sein, literaturdidaktische Reflexionsformen, Konzepte und Modelle der Arbeit mit Lyrik kennen zu lernen, deren normativer Begründungsrahmen kritisch zu prüfen und einzuordnen.

Eine regelmäßige und durchgehend aktive Teilnahme an den einzelnen Seminarsitzungen über das gesamte Semester hinweg sowie eine hohe Lesebereitschaft werden von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet.

Zur Vorbereitung geeignet: Ralf Schmerberg: Poem (2003) [https://vimeo.com/95726279]


Literarisches Philosophieren.
(B (G), Aufbaumodul "Literatur")

Mi 14:00 - 16:00, VSH 05

Diese Veranstaltung befasst sich mit Theorien und Konzepten des literarischen Philosophierens mit Kindern im Unterricht. Dies geschieht unter besonderer Berücksichtigung der kindlichen Erzählkompetenz und der narrativen Bewusstheit von Kindern sowie den kognitiven Möglichkeiten, philosophierende Denkprozesse einzuüben. Im Mittelpunkt stehen damit theoretische Fragen nach den Zusammenhängen zwischen kindlichem Erzählerwerb, Kognition, Sinnbildungsprozessen und beginnendem Philosophieren. Der besondere Bezug zum Kinderphilosophieren ergibt sich vor allem aus der Bedeutung von vielfältigen Sinn- und Wertefragen sowie von Fragehaltungen für das Denken und Erzählen anhand literarischer Texte im Grundschulbereich.

Die Bereitschaft, sich mit komplexen Theorietexten der jeweiligen Fachgebiete (Philosophie, Erzählerwerb, Kognition bei Kindern, Literatur- und Gesprächsdidaktik) zu befassen, wird vorausgesetzt. Eine regelmäßige und durchgehend aktive Teilnahme an den einzelnen Seminarsitzungen über das gesamte Semester hinweg wird von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet.


Was wissen Märchen? Historie, Theorie und Didaktik.
(MEd (G), Vertiefungsmodul "Fachwissenschaft und Fachdidaktik")

In diesem Seminar werden literatur- und kulturwissenschaftliche Methoden der Märchenanalyse und Märchendeutung behandelt und erprobt. Anhand der Grimmschen Märchen wird es vor allem darum gehen, Modelle und Sichtweisen der wissenschaftlichen Märchenforschung kennenzulernen sowie einen theoriegeleiteten Zugang zur Märchenanalyse und zu den relevanten Fachdiskursen zu erschließen. In einem weiteren Schritt werden sodann Theorien und Konzepte der Märchendidaktik erarbeitet, um die Frage danach, was Märchen kulturhistorisch und medial überhaupt sind und welche Wissens- und Erfahrungsformen sie repräsentieren, auf schulische Lernprozesse und Unterrichtsbemühungen anzuwenden.

Eine regelmäßige und durchgehend aktive Teilnahme an den einzelnen Seminarsitzungen über das gesamte Semester hinweg sowie eine hohe Lesebereitschaft werden von allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern erwartet.

Das Seminar wird als Blockveranstaltung durchgeführt.

Für alle verbindliche Vorbesprechung: Dienstag, 10.11.20, 18:00 Uhr

Blocktermine:
Fr., 22.1.21, 14:00-18:00 Uhr
Sa., 23.1.21, 10:00-18:00 Uhr
Fr., 29.1.21, 14:00-18:00 Uhr
Sa., 30.1.21, 10:00-18:00 Uhr

Bitte anschaffen und lesen:
Brüder Grimm: Ausgewählte Märchen. Studienausgabe (Reclams Universal-Bibliothek). Hgg. von Ulrich Hohoff. Stuttgart 2001